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Berlinale:Ohne Knuddelbären

70th Berlinale International Film Festival

Auf dem roten Teppich: Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian bei der 70. Berlinale am 20. Februar.

(Foto: Michele Tantussi/Reuters)

Für den großen Filmauftrieb in der Hauptstadt beginnt eine ernste Ära.

Die Berlinale gilt als das politischste unter den größeren Filmfestivals weltweit. Das ist auch ein Verdienst des langjährigen Festivalleiters Dieter Kosslick. Seine Berlinale orientierte sich am Publikum statt am Ideal selbstgenügsamer Filmkunst; am Glamour, wo er zu kriegen war, und an politischer Relevanz, wo kein Glamour zu kriegen war. Dieses Jahr hat nun mit dem Cineasten Carlo Chatrian für das Künstlerische und der Filmproduzentin Mariette Rissenbeek für das Kaufmännische eine neue Epoche begonnen. Chatrian gilt als Liebhaber des asiatischen Kinos und experimenteller Erzählformen - weshalb mancher fürchtete, dass auf der Berlinale bald nur noch schwer vermittelbare Kost läuft und es dahin ist mit Glanz, Glitzer, Traumfabrik. Doch am Ende des Eröffnungsabends der 70. Berlinale ist das neue Führungsduo angekommen. Auf dem Festivalplakat finden sich keine knuddeligen Bären mehr. Eine ernstere Ära hat begonnen. Man würde den knuddeligen Bären aber möglicherweise mehr nachtrauern, wenn die politische Lage in der Welt um die Berlinale herum nicht so ernst wäre.

© SZ vom 28.11.2020 / SZ
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