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Berlin und der Iran-Deal:Zwischen Angst, Hoffnung und heimlichem Zorn

Die Bundesregierung will das Abkommen gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien retten. Doch sie ahnt: Die Folgen des US-Ausstiegs sind gravierend. Und dann twittert auch noch Trumps neuer Botschafter in Berlin.

So ruhig, gelassen und kühl sich die Bundesregierung auch gibt - unter der Oberfläche brodelt der Ärger über die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump. Am Mittwoch zeigt sich das nicht in einem großen Zornesausbruch, sondern in einer kleinen Geste.

Für ein paar Minuten ist Heiko Maas, der deutsche Außenminister, vor die Kameras getreten. Er spricht viel über Besonnenheit und die Notwendigkeit, einen kühlen Kopf zu bewahren. Mit ruhiger Stimme verteidigt er das Nuklearabkommen mit Iran, aus dem die USA nun aussteigen, und erklärt entschieden, dass Deutschland der Vereinbarung verpflichtet bleibe.

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Doch dann, nach seinem kurzen Auftritt, wird Maas gefragt, was er vom Tweet des neuen US-Botschafters in Berlin halte. Maas schweigt, seine Gesichtszüge werden hart, er wendet sich halb ab und wirft dann doch noch ein Wort in den Raum: "Nichts."

Mit tausend Worten hätte der deutsche Außenminister seinen Widerwillen über den neuen Statthalter Donald Trumps nicht deutlicher machen können. Die Kündigung des Nuklearabkommens ist aus Sicht von Maas schon ärgerlich und gefährlich genug. Und dann schafft es Trumps neuer Botschafter Richard Grenell, die Stimmung noch einmal zu vergiften.

Grenell hatte erst am Dienstagnachmittag in Berlin offiziell seinen Dienst angetreten - und erklärte schon wenige Stunden später via Twitter, nach Trumps Iran-Beschluss sollten sich deutsche Unternehmen ganz schnell aus dem Land zurückziehen.

Angesichts dieser Chuzpe des Neuankömmlings dürfte Wolfgang Ischinger, lange Zeit deutscher Botschafter in den USA, vielen in Berlin aus dem Herzen gesprochen haben, als er Grenells Getwittere mit dem Hinweis kommentierte, ein Botschafter solle grundsätzlich darauf verzichten, seinem Gastland Ratschläge zu geben. Jedenfalls dann, wenn er großen Ärger vermeiden wolle. Das war nicht elegant. Aber es war deutlich.

Nimmt man den Trump-Beschluss und die Begleitmusik aus seiner Truppe zusammen, dann überrascht es niemanden, dass in Berlin der Zorn auf Amerikas neueste Wendung groß ist. Da hat auch die Tatsache, dass der Beschluss nicht mehr überraschend kam, wenig geholfen.

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Dass Trumps Entscheidung nicht mehr aus dem Nichts kam, betonte Maas am Mittwoch ausdrücklich. So hatten sich die Außenminister Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands bereits am Dienstag getroffen, um eine gemeinsame Reaktion vorzubereiten. Darüber hinaus hatten hochrangige Diplomaten der drei Länder ebenfalls schon am Dienstagnachmittag in Brüssel mit einem Vertreter Irans zusammen gesessen, um allseits für eine besonnene Reaktion zu werben.

Ärgerlich aber und aus Sicht der Bundesregierung unverständlich bleibt die Tatsache, dass Washington sich in den vergangenen Wochen trotz zahlreicher Gesprächskontakte nicht erklärt hat. Ein Diplomat fasste es am Mittwoch so zusammen: "Es gab viele Begegnungen, wir haben viel gesprochen. Aber echte Begründungen für diesen Schritt hat es nicht an einer Stelle gegeben."