Süddeutsche Zeitung

Ausschreitungen in der Hauptstadt:"Das sind doch fast alles Berliner Kinder"

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Nach den Silvesterkrawallen geht die Polizei von langwierigen Ermittlungen aus. Die Regierende Bürgermeisterin äußert sich zur Herkunft der Täter - und widerspricht Markus Söder.

Von Jan Heidtmann, Berlin

Nach den heftigen Ausschreitungen in der Silvesternacht erwartet die Berliner Polizei langwierige Ermittlungen. "Die werden nicht unkompliziert sein", sagte ein Sprecher. Die Polizei ermittelt derzeit gegen 145 Verdächtige wegen 355 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten. Dabei geht es unter anderem um gefährliche Körperverletzung, Angriffe auf Polizeibeamte und Feuerwehrleute oder Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

In der Nacht zum Jahreswechsel hatten vor allem junge Männer Sanitäter, Polizisten und Feuerwehrleute mit Flaschen und Böllern beworfen. Mit brennenden Barrikaden waren Rettungskräfte teils gezielt in Hinterhalte gelockt und dann mit Schreckschusspistolen attackiert worden; in einigen Fällen war versucht worden, Dienstfahrzeuge zu plündern. Da all dies bei Dunkelheit geschah und viele der Angreifer vermummt waren, gilt schon die Identifikation der Täter als schwierig. Am Mittwoch richtete die Polizei ein Hinweisportal ein, auf dem eigene Bilder und Videos der Nacht hochgeladen werden können.

Kommende Woche will Giffey zu einem Gipfel zur Jugendgewalt einladen

Politiker von CDU und CSU geben dem Berliner Senat eine Mitschuld an den Ausschreitungen. "Berlin entwickelt sich leider zu einer Chaos-Stadt", erklärte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey verwahrte sich gegen solche Vorwürfe. In der Silvesternacht seien die Beamten mitsamt der Feuerwehr "in voller Mannstärke" auf den Straßen präsent gewesen. Zudem seien die Krawalle kein "Berlin-Phänomen". Dies bestätigte auch der Chef der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, zu deren Mitgliedern viele freiwillige Feuerwehrleute gehören. "Die Ausschreitungen in Berlin waren extrem. Die Hauptstadt ist damit jedoch keine Ausnahme", sagte Stefan Hussy.

Zur Debatte um die Herkunft der Täter sagte Giffey: "Das sind doch fast alles Berliner Kinder, die sind hier geboren und aufgewachsen." In der kommenden Woche will die Regierende Bürgermeisterin zu einem Gipfel zur Jugendgewalt einladen. Daran sollen Vertreter von Senat, Bezirken, Polizei und Sozialarbeit teilnehmen.

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