Berlin Retten, was zu retten ist

Wie geht Multilateralismus in Zeiten von Donald Trump? Eine von Außenminister Heiko Maas organisierte Konferenz in Berlin zu den sicherheitspolitischen Folgen des Klimawandels weist den Weg.

Von Daniel Brössler, Berlin

Wer jetzt im Weltsaal des Auswärtigen Amtes die Augen schließt und nur dieser Stimme lauscht, der kann glauben, alles war nur ein böser Traum. Die Drohungen, die Beschimpfungen, das Gerede von America first. "Das ist keine Zeit für Spaltungen", sagt die Stimme. Sie spricht von den "Werten, die uns vereint haben". Und sie fordert Tatkraft: "Unsere Aufgabe ist es, eine neue globale Koalition zu schaffen mit allen, die entschlossen sind, sich dem Klimawandel entgegenzustellen." Die Stimme ist bekannt von früher. Sie gehört John Kerry, US-Außenminister unter Barack Obama. Er ist Gast einer Konferenz zu den sicherheitspolitischen Folgen des Klimawandels, zu der Außenminister Heiko Maas (SPD) am Dienstag geladen hat. Sie ist Teil einer Mission, die nicht weniger zum Ziel hat als die Rettung des Multilateralismus in Zeiten des Donald Trump.

Es geht um Klimawandel und Sicherheit: Sollen UN-Truppen etwa Kohleminen schließen?

Mit Unterstützung des französischen Außenministers Jean-Yves Le Drian hat Maas eine "Allianz für Multilateralismus" aus der Taufe gehoben, die allerdings nur langsam zu wachsen scheint. Zu Beginn der deutschen Präsidentschaft im UN-Sicherheitsrat im April luden Maas und Le Drian Interessenten in New York zu einem Mittagessen. Botschafter aus elf Staaten folgten der Einladung, darunter Japan, Kanada, Australien, Argentinien, Indien und Südkorea. Um ein Netzwerk Gleichgesinnter zum Schutz der regelbasierten Ordnung gehe es, erläuterten die Minister, was sie aber nicht als gegen die USA gerichtet verstanden wissen wollten. Wirklich konkret geworden sind die Minister nicht. Schon das demonstrativ gemeinsame Auftreten in New York sollte aber eine Botschaft senden. "Wenn zwei Länder, die über Jahrhunderte Erzfeinde waren, heute engste Freunde sind", dann sei das ein Zeichen, dass Frieden und Verständigung möglich sind, sagte Maas.

Ihren nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat will Berlin nutzen, um Kooperation in der Welt zu fördern. Dazu gehört die Forderung, die Auswirkungen der Erderwärmung auf die globale Sicherheit, etwa durch neue Migrationsbewegungen, ebenso in den Blick zu nehmen wie die klimabedingt steigenden Lebensmittelpreise. Der Kampf gegen die sicherheitspolitischen Folgen des Klimawandels verlange eine globale Kraftanstrengung, Deutschland habe den Anspruch, "dabei eine führende Rolle zu spielen", sagt Maas bei der Konferenz, zu der neben Kerry auch der Präsident des pazifischen Inselstaates Nauru, Baron Waqa, angereist ist.

Von einer "existenziellen Gefahr" für sein Land und die anderen Länder der Region spricht Waqa. "Ist es an der Zeit, UN-Friedenstruppen zu schicken, um Kohleminen zu schließen? Vielleicht", sagt er. Waqa weiß, dass das nicht passieren wird. Immerhin aber müssten die UN bereitstehen, "um die Risiken zu managen, so weit wie möglich", fordert er. Deutschland würde in diesem Sinne gerne eine UN-Resolution durchsetzen. Die Chancen aber stehen nicht gut. Russland ist dagegen, China vermutlich auch. Und als unberechenbar gilt - wie mittlerweile so oft - die Haltung der USA.