Berlin:Grüner wird's nicht

In Berlin-Marzahn wird demnächst eine Ampel eingeweiht - 25 Jahre nach der ersten Planung.

Von Jan Heidtmann

25 Jahre sind bekanntermaßen ein Vierteljahrhundert und auch deshalb schon eine ziemlich lange Zeit. Bis zum Comeback von Abba hat 25 Jahre gedauert, und es heißt, der Mensch werde erst in dieser Spanne wirklich erwachsen; der Peloponnesische Krieg, einer der längsten Kriege überhaupt, währte von 431 bis 404 v. Chr., also nur zwei Jahre mehr als ein Vierteljahrhundert. Und in Berlin soll nun nach 25 Jahren eine Ampelanlage eingeweiht werden. Das schlägt selbst den Flughafen BER, der in nur 14 Jahren gebaut wurde.

Am 30. Mai 1996 ordnete die Verkehrsverwaltung erstmals an, dass an der Ecke Hultschiner Damm/Rahnsdorfer Straße im Berliner Ortsteil Marzahn-Hellersdorf eine Ampel aufgestellt werden sollte. Es dauert dann zehn Jahre, bis die Lichtzeichen tatsächlich eingeplant werden, 2011 wird die Kreuzung im sogenannten Kinderstadtplan nochmals als besonders gefährlich gekennzeichnet. Trotzdem passiert erst mal: nichts. 2017 setzen sich SPD und CDU erneut für den Bau der Anlage ein, schließlich wird sie bewilligt.

Die Sacharbeiter sind längst im Ruhestand

Die Sachbearbeiter im Senat und im Bezirk, die sich mit der Ampel ursprünglich befasst haben, sind längst im Ruhestand. Und auch Christiane Uhlich hat sich ihre ganze politische Karriere lang mit dieser Ampel herumgeschlagen. 1996 saß sie gerade zum zweiten Mal für die SPD in der Bezirksverordnetenversammlung - jetzt wird sie nicht mehr zur Wahl antreten. Eines ihrer Themen ist der Verkehr, und diese Ampel "ist schon mein Baby", sagt sie. Unzählige Male habe sie deshalb beim Bezirk angerufen und beim Verkehrssenat. "Die kannten mich da richtig gut." Trotzdem habe es immer wieder geheißen: "Wir sind nicht zuständig."

Nun ist die Berliner Verwaltung kaum für ihre Schnelligkeit bekannt und sie hat gewiss so ihre Eigenarten. Manchmal braucht es allein Wochen, um einen Termin für einen neuen Personalausweis zu bekommen. Zudem ist das sogenannte Behördenpingpong, also immer die jeweils andere Stelle für zuständig zu erklären, ein gut geübter Sport in der Hauptstadt. Der Fall der Ampel von Marzahn jedoch ist zusätzlich kompliziert. "Eine derartig langwierige Projektdauer eines Neubaus ist die absolute Ausnahme", heißt es beim Verkehrssenat.

Jahr für Jahr werden in der Stadt rund zehn Ampelanlagen neu aufgestellt. Die reine Bauzeit wird auf ein Jahr geschätzt. Die Pläne dafür müssen jedoch vorher mit dem Gasversorger, der Telefonfirma oder dem Denkmalsschutz abgestimmt werden. In diesem Fall liegen die Probleme noch einmal anders: Die Kreuzung befindet sich im Berliner Urstromtal, dazu in einem Wasserschutzgebiet. Deshalb muss das Regenwasser, das sich immer wieder ansammelt, in extra angelegte Rückhaltebecken geleitet werden. Allein das zu lösen habe fast 15 Jahre gedauert, heißt es beim Senat.

Auf ein paar Wochen mehr oder weniger scheint es da nicht mehr anzukommen. Eigentlich sollte die Ampel Anfang Juni fertiggestellt sein. Doch außer einer Baustelle und ein paar Behelfsampeln ist nicht viel zu sehen. "Alles andere hätte mich auch gewundert", sagt Christiane Uhlich. Sie werde in jedem Fall zur Einweihung kommen - selbst wenn sie sich dann längst aus der Politik verabschiedet hat.

© SZ
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