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Terrorismus:Berliner Polizei nimmt vor Halbmarathon sechs Verdächtige fest

Berliner Halbmarathon

Nach dem tödlichen Zwischenfall in Münster hatte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) noch im Laufe des Samstags angekündigt, dass die Polizei erneut die schon "extrem hohen Sicherheitsvorkehrungen" für den Halbmarathon am Sonntag überprüfen werde.

(Foto: dpa)
  • Die sechs von der Berliner Polizei festgenommenen Personen aus der Islamisten-Szene wurden von der Polizei schon seit zwei Wochen observiert.
  • Nach der Gewalttat in Münster hatten sich die Behörden für einen Zugriff entschieden - obwohl sich die Männer nicht in Richtung des Halbmarathons aufgemacht hatten.
  • Bei der neuerlichen Durchsuchung der Wohnung des Hauptverdächtigen fanden die Ermittler entgegen zunächst anderslautender Presseberichte offenbar keinen Sprengstoff.

Die Berliner Polizei hat am Sonntag sechs Personen aus der Islamisten-Szene festgenommen und vier Wohnungen und zwei Fahrzeuge durchsucht. Man habe bereits vor einiger Zeit Hinweise erhalten, dass die Männer einen Anschlag auf den Berliner Halbmarathon erwägen würden, der am Sonntag stattfand, hieß es. Die Männer hätten demnach geplant, Zuschauer mit Messern zu attackieren. Schon seit zwei Wochen habe man deshalb die Männer zwischen 18 und 21 Jahren genau observiert.

Obwohl sich dann am Sonntag herausstellte, dass sich die sechs Männer nicht in Richtung des Halbmarathons aufgemacht hatten, und obwohl die sechs sich auch sonst an diesem Tag nicht auffällig verhielten, entschieden sich die Behörden für einen Zugriff - auch angesichts der "noch nicht vollständig geklärten Hintergründe" der Gewalttat in Münster am Vortag, wie die Polizei am Abend mitteilte.

Einer der Verdächtigen soll ein Vertrauter von Anis Amri sein

Bei dem Hauptverdächtigen soll es sich nach Informationen der Süddeutschen Zeitung aus Sicherheitskreisen um einen Angehörigen der islamistischen Szene handeln, den die Behörden schon länger im Visier haben: Walid S., ein persönlicher Bekannter des tunesischen Attentäters Anis Amri, der kurz vor Weihnachten 2016 zwölf Menschen auf dem Berliner Breitscheidplatz ermordet und zahlreiche weitere Menschen verletzt hatte.

Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes (BKA) zufolge soll Walid S. am Tag dieser Tat noch gemeinsam mit Anis Amri und einer weiteren Kontaktperson, Bilal Y. M., zwischen 16.56 Uhr und 17.12 Uhr am Berliner Alexanderplatz gewesen sein. Lange bestand deshalb der Verdacht, die drei Männer hätten gemeinsam Anschlagsziele ausgekundschaftet. Strafbares Handeln konnte Walid S. später jedoch nicht nachgewiesen werden. Bei Vernehmungen gab er an, er könne sich nicht an den Zwischenstopp am Alexanderplatz erinnern. Erst im vergangenen September hatte die Polizei dann erneut die Wohnung von Walid S. im Berliner Stadtteil Charlottenburg durchsucht.

Kein Sprengstoff gefunden

Bei der neuerlichen Durchsuchung seiner Wohnung am Sonntag fanden die Ermittler entgegen zunächst anderslautender Presseberichte offenbar keinen Sprengstoff. Ob andere Hinweise gefunden wurden, die auf den Halbmarathon hinweisen würden, blieb zunächst unklar. "Alarmistisches" jedenfalls sei am Sonntag nicht bekanntgeworden, sagte ein Beamter der Süddeutschen Zeitung. Man sei dennoch vorsichtig vorgegangen.

Nach dem tödlichen Zwischenfall in Münster hatte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) noch im Laufe des Samstags angekündigt, dass die Polizei erneut die schon "extrem hohen Sicherheitsvorkehrungen" für den Halbmarathon am Sonntag überprüfen werde. Laut Polizei bestand keine konkrete Gefährdung. Sie wollte mit 630 Beamten im Einsatz sein, um die Strecke während der Sportveranstaltung abzusperren und zu sichern.

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