Etwas mehr als 100 Tage ist es jetzt her, dass am 10. Oktober der Waffenstillstand zwischen Israel und Hamas in Kraft trat. Offen blieben schon damals unzählige Fragen, die angesichts des sonstigen Weltgeschehens von Caracas über Teheran, Davos und Minneapolis fast ein wenig in den Hintergrund gerieten: Wie genau sieht Phase zwei von Donald Trumps Friedensplan aus, wie sollen die Hamas-Kämpfer entwaffnet werden, wer wird den Frieden in Gaza sichern und wann öffnet der Grenzübergang zu Ägypten?
Israel hatte die Rückkehr sämtlicher lebender und toter Geiseln aus dem Gazastreifen stets zur Bedingung gemacht für den Start in diese zweite Phase. Dass am Montag nun die sterblichen Überreste von Ran Gvili, der letzten Geisel der Hamas, an Israel übergeben wurden, bewegt deshalb nicht nur das ganze Land, sondern ist auch politisch von großer Bedeutung, analysiert Kristiana Ludwig.
Donald Trump hat seit dem 10. Oktober mehrere neue Gremien gegründet, die besagte Phase zwei steuern sollen. Zudem rief er einen sogenannten Friedensrat ins Leben, der nicht nur den Friedensprozess in Gaza überwachen soll. Boris Herrmann hat sich die Gründungs-Charta dieses Gremiums genauer angesehen. Er schreibt, es handle sich hier wohl um das bislang eindeutigste Zeugnis einer neuen Weltordnung nach den Vorstellungen Donald Trumps. „Der US-Präsident will am liebsten alles allein bestimmen. Und wenn es sich einrichten lässt, dann würde er dabei gerne noch die eine oder andere Milliarde dazuverdienen.“
Weit abseits von Trumps Allmachtsfantasien beleuchtet Bernd Dörries das Thema Gaza aus ganz anderer Perspektive: Er hat mit Menschen gesprochen, die dort leben und erzählen, wie das unter den Bedingungen der brüchigen Waffenruhe möglich ist. Und die befürchten, dass sie ihr Land niemals zurückbekommen.
Zum Ende noch ein Hinweis in eigener Sache: Gestern habe ich Ihnen geschrieben, dass bereits am Dienstag die Wahl von Sven Schulze zum Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt anstehe. Das war ein Fehler, die Wahl ist erst heute.
Was heute wichtig ist
Erster Bericht zu den tödlichen Schüssen auf Alex Pretti veröffentlicht. Laut dem ersten umfassenden Bericht der Sicherheitsbehörden zum Fall Alex Pretti haben zwei Bundesbeamte auf den Krankenpfleger gefeuert. Laut Medienberichten soll im Bericht keine Rede davon sei, dass Pretti nach seiner Waffe gegriffen habe. In Arizona wurde ein Mann von Grenzschützern angeschossen. Zum Liveblog zur US-Politik
EXKLUSIV Prominente SPDler fordern: Merz soll Kontakt zu Putin aufnehmen. Außenpolitiker der SPD finden, die Bundesregierung brauche einen direkten Draht nach Russland. Der Abgeordnete Adis Ahmetovic sagt, die Gespräche zur Beendigung des Krieges hätten bislang „wenig bewegt“. Ex-Fraktionschef Rolf Mützenich sagt, man müsse „bezweifeln“, dass US-Verhandler europäische Interessen beachteten. Zum Artikel
- MEINUNG Verhandlungen im Ukraine-Krieg: Die Gespräche sind „konstruktiv“? Klingt gut, heißt aber noch gar nichts
- Liveblog zum Krieg in der Ukraine: Ukrainischer Außenminister: Selenskij ist zu Treffen mit Putin bereit
Die Bedeutung der letzten Geisel. Soldaten der israelischen Armee haben die Leiche der letzten israelischen Geisel geborgen, die sich noch im Gaza-Streifen befand: Ran Gvili. Sobald Israel die Leichen von 15 Palästinensern übergeben hat, sind die Voraussetzungen für Phase zwei des Friedensplans erfüllt – möglicherweise könnte der Grenzübergang zu Ägypten geöffnet werden. Zum Artikel
Sachsen-Anhalt: Designierter Ministerpräsident Schulze will strikten Abgrenzungskurs zur AfD fortsetzen. Der CDU-Politiker Sven Schulze will im Herbst bei den Landtagswahlen von Sachsen-Anhalt als Ministerpräsident im Amt bestätigt werden, heute soll er von SPD, FDP und CDU gewählt werden. Doch er bleibt im Wahlkampf der Underdog, die in Sachsen-Anhalt gesichert rechtsextreme AfD liegt laut Umfragen bei um die 40 Prozent. Zum Artikel
Weitere wichtige Themen
- Moskau: Warum Russland den Karnevalskünstler Jacques Tilly anklagt
- Frühkindliche Bildung: Nur jede siebte Kita hat genug Personal
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Dossier Digitalwende: Die ehemalige BMG‑Digitalchefin zieht Bilanz. Im Gespräch mit SZ Dossier mahnt die von Nina Warken geschasste Digitalabteilungsleiterin Susanne Ozegowski eine radikale Beschleunigung bei der Entwicklung der elektronischen Patientenakte an – und fordert mehr Wettbewerb statt staatlicher Alleingänge. Auch wichtig: Digitalminister Karsten Wildberger hat einen Meilenstein bei seiner digitalen Wallet erreicht. Zum Briefing
Dossier Geoökonomie: Kanada muss sich für neue U-Boote zwischen Deutschland und Südkorea entscheiden. Soll die Modernisierung der kanadischen Marine europäisch oder ostasiatisch geprägt sein? Im Rennen um einen milliardenschweren U‑Boot‑Auftrag ringen Deutschlands TKMS und Südkoreas Hanwha um ein Geschäft, bei dem es um viel mehr geht: um Einflusszonen, Wertschöpfungsketten und den künftigen Kurs westlicher Sicherheitspolitik. Zum Briefing

