Bericht der New York Times Trump soll Kanzleramt mit Fragen irritiert haben

Angela Merkel und Donald Trump bei ihrem Treffen im März in Washington.

(Foto: REUTERS)
  • Eines der ersten Telefonate der Bundeskanzlerin mit dem neuen US-Präsidenten hat einem Bericht zufolge zu Irritationen zwischen beiden Regierungen geführt.
  • Anscheinend musste Merkel Trump erklären, warum die Ukraine eine wichtige Rolle in den transatlantischen Beziehungen spielt.
  • Bei ihrem ersten Treffen im Frühjahr soll er sich nach der Möglichkeit eines bilateralen Handelsvertrags erkundigt haben.

"Wilbur, wir werden ein bilaterales Handelsabkommen mit Europa aushandeln!" Dieser Satz, den US-Präsident Donald Trump gegenüber seinem Handelsminister Wilbur Ross geäußert haben soll, sagt eigentlich schon alles. Anwesend außer Trump und Ross: diverse Berater, eine Delegation aus Deutschland und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Dem merkwürdigen Satz vorausgegangen war ein Dialog zwischen Trump und Merkel, in dem der US-Präsident ein deutsch-amerikanisches Handelsabkommen vorgeschlagen hatte. Merkels Antwort: Ein solches Abkommen könne Trump nicht mit Deutschland allein aushandeln, sondern nur mit der EU, zu der noch 27 andere Länder gehörten. Trumps Rückfrage, "also das könnte bilateral sein", soll die Kanzlerin mit einem Nicken beantwortet haben. Es folgte die spontane Ankündigung eines Handelsabkommens zwischen den USA und "Europa".

Über das Treffen, das schon im März stattfand, berichtet jetzt die New York Times, die in den vergangenen Monaten mit mehreren Zeugen dazu gesprochen hat. Was Trump bei dem Gespräch im März anscheinend entfallen war: Die USA und die EU hatten mehrere Jahre über das transatlantische Handelsabkommen TTIP verhandelt; die Gespräche liegen aber seit Januar auf Eis, weil der US-Präsident darin eine Gefahr für amerikanische Arbeitsplätze sieht.

Den Élysée-Palast soll Trump in helle Aufregung versetzt haben

Dem Bericht zufolge hat Trump schon bei einem der ersten Telefonate mit Merkel kurz nach seiner Amtseinführung im Januar Wissenslücken offenbart und für Irritationen gesorgt. Die Kanzlerin habe dem Präsidenten in dem Gespräch erklärt, warum die Ukraine eine wichtige Rolle in den transatlantischen Beziehungen spielt. Er habe wenig Ahnung von der Ukraine oder des schwierigen Verhältnisses zu Russland gehabt. Deutsche Regierungsvertreter seien erschrocken gewesen über Trumps Unkenntnis.

Auch mit anderen Staatslenkern soll es Missverständnisse gegeben haben. So soll Trump bei einem Besuch in Paris spontan zu Emmanuel Macron gesagt haben, er überlege, doch nicht aus dem Pariser Klimaabkommen auszutreten. Er versetzte den Élysée-Palast in helle Aufregung. Rückfragen in Washington stellten dann jedoch klar, dass eine Rückkehr zu dem Klimavertrag nie angedacht war.

Nach dem Telefonat, in dem Merkel Trump die Bedeutung der Ukraine erklären musste, soll es im Kanzleramt einen weiteren Anruf aus dem Weißen Haus gegeben haben: Mitarbeiter von Trump sollen sich beschwert haben. Merkel habe sich herablassend verhalten.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Textes war Merkels Antwort auf die Frage nach einem Handelsvertrag missverständlich zusammengefasst. Die Kanzlerin kann nicht allein Entscheidungen für alle EU-Länder treffen oder in ihrem Namen verhandeln. In Handelsfragen führt die EU-Kommission die Verhandlungen.

Nachhaltigkeit Trumps Jahr der Klima-Widersprüche

Pariser Klimaabkommen

Trumps Jahr der Klima-Widersprüche

Trotz Klimakatastrophen wie den Hurrikans Harvey, Irma und Maria und den gewaltigen Waldbränden in Kalifornien hält der US-Präsident am Ausstieg aus dem Pariser Klimavertrag fest. Warum?   Von Michael Bauchmüller