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Benazir Bhutto:Unvergleichlich - das war ihr Leben

Unbeirrbar, populistisch, machtbesessen: Benazir Bhutto war zweimal Ministerpräsidentin ihres Landes und lenkte dessen Geschicke selbst aus dem Exil weiter mit. Eine Kurzbiographie.

Ihr Vorname heißt auf Deutsch die "Unvergleichliche" und das war die pakistanische Politikerin Benazir Bhutto auch. Die Frau, die nun in Rawalpindi ermordet wurde, war zweimal Ministerpräsidentin ihres Landes gewesen (1988 bis 1990 und 1993 bis 1996) und wollten nun nach der Rückkehr aus dem Exil erneut die Wahlen gewinnen und Pakistans Regierungschefin werden.

Immer wieder hatte die noch amtierende Regierung Pakistans die Kandidatin gewaltsam von Veranstaltungen ferngehalten oder Kundgebung ihrer Partei PPP verboten. Oft begründete sie dies mit Sorge um die Sicherheit der Politikerin. Schließlich war bereits der Jubelzug zu ihrer Rückkehr nach Pakistan von einem Selbstmordattentat überschattet, das weit mehr als hundert Todesopfer forderte.

Doch Benazir Bhutto ließ immer wieder verkünden, sie lasse sich von Drohungen nicht beirren. Trotz ihrer acht Jahre im Ausland und einiger Korruptionsvorwürfe war das Ansehen der Chefin der Pakistanischen Volkspartei PPP in weiten Teilen der Bevölkerung groß geblieben. Die Frau, die aus einer Politiker-Dynastie stammt, gab sich stets kämpferisch.

Ihr Vater Zulfikar Ali Khan Bhutto war Anfang der 70er Jahre Präsident und Regierungschef. 1977 - Benazir hatte gerade ihr Studium in Harvard und Oxford beendet und war in die Heimat zurückgekehrt - wurde er vom Militärmachthaber Zia ul-Haq gestürzt und zwei Jahre später gehängt. Mehrfach wurde seine Tochter von der Militärregierung unter Hausarrest gestellt oder kam ins Gefängnis. 1984 ging sie ins Exil nach Großbritannien und baute von dort aus die von ihrem Vater gegründete PPP wieder auf.

Die charismatische Politikerin kehrte 1986 nach Pakistan zurück und wurde 1988 nach dem Wahlsieg der PPP als erste Frau in einem islamischen Staat Regierungschefin. Aber schon zwei Jahre später wurde sie aufgrund von Korruptionsvorwürfen abgesetzt. 1993 gelang ihr dann aber für weitere drei Jahre die Rückkehr an die Macht. Dann folgte abermals die Absetzung - wieder wegen Korruptionsverdachts.

Kurz bevor sich ihr Gegenspieler und jetzige Präsident Pervez Musharraf an die Macht putschte, ging Bhutto 1999 wieder ins Exil nach Großbritannien und Dubai, um einer Haftstrafe wegen Korruption zu entgehen. Ihr Mann Ali Asif Zardari, der in Pakistan wegen Korruption im Gefängnis saß, folgte ihr und den drei Kindern Jahre später.

Aus der Ferne blieb die Frau, die unter Gegnern als machtbesessen galt und die ihre Anhänger glühend verehrten, politisch aktiv. Sie lenkte aus dem Exil heraus maßgeblich die Geschicke der PPP. Die Partei sah in ihr eine Vorsitzende auf Lebenszeit.

Niemand verstand es, Massen so zu mobilisieren wie Benazir Bhutto. Sie wird ihrer Partei und ihrem Land fehlen - das schwierigeren Zeiten entgegen sieht.

© sueddeutsche.de/jja/grc
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