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Belarus:Methode Lukaschenko

Oppositionsführerin Kolesnikowa ist verschwunden. Festgenommen oder verschleppt? Im belarussischen Unrechtsstaat ist das häufig dasselbe. Der Westen darf die Widerstands­bewegung nicht alleinlassen im Kampf mit diesem wahnhaften Herrscher.

Von Silke Bigalke

Alexander Lukaschenkos Methode ist so alt wie sein Regime: Oppositionelle werden hinter Gitter gebracht oder aus dem Land getrieben. Noch ist unklar, welches Schicksal Maria Kolesnikowa droht. Sie war als letzte der drei Frauen, die den belarussischen Machthaber im Wahlkampf unter Druck gesetzt hatten, zuletzt noch frei und im Lande. Nun wurde sie festgenommen - oder verschleppt, in Lukaschenkos Unrechtsstaat kann das ein und dasselbe sein.

Lukaschenko kann eigentlich nicht alle Menschen in Belarus, die gegen ihn sind, an der Grenze zu Polen aussetzen lassen, so wie zuletzt die Oppositionelle Olga Kowalkowa. Das Land wäre dann wohl halb leer. Lukaschenko scheint jedoch längst den Sinn für die Realität verloren zu haben. Das zeigen seine bizarren Auftritte mit Kalaschnikow, seine grobe Fehleinschätzung der Protestbewegung, seine stümperhaften Versuche, sich beim Kreml einzuschmeicheln, von dem jetzt sein Schicksal abhängt.

Die Demonstrierenden verlachen Lukaschenko dafür. Doch der sitzt am längeren Hebel, solange er Leute einfach verschwinden lassen kann. Bisher lässt sich die Widerstandsbewegung nicht einschüchtern. Umso wichtiger ist es, dass der Westen sie nicht mit diesem wahnhaften Herrscher allein lässt und Menschenrechtsverletzungen weiter anklagt.

© SZ vom 08.09.2020
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