BelarusGrausame Botschaft

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Das Video mit dem Statement des Verurteilten wurde offensichtlich von der belarussischen Führung lanciert. An ihrer Spitze steht Alexander Lukaschenko.
Das Video mit dem Statement des Verurteilten wurde offensichtlich von der belarussischen Führung lanciert. An ihrer Spitze steht Alexander Lukaschenko. (Foto: Mikhail Metzel/dpa)

Belarus führt den zum Tode verurteilten Deutschen im Fernsehen vor. Die deutsche Regierung tue nichts für seine Rettung, sagt er.

Ein in Belarus zum Tode verurteilter Deutscher hat Machthaber Alexander Lukaschenko in einem vom staatlichen Fernsehen ausgestrahlten Video um Gnade gebeten. Die deutsche Regierung tue nichts für seine Rettung, behauptet der Mann darin. Er war den Behörden in Minsk zufolge unter anderem wegen Terrorismus im Auftrag des ukrainischen Geheimdienstes verurteilt worden. „Ich bekenne mich schuldig, definitiv“, sagte er. In dem offensichtlich von der belarussischen Führung lancierten Video sind die deutschen Aussagen teilweise klar zu hören zwischen der russischen Übersetzung.

Ob die Vorwürfe gegen den Mann berechtigt und faktisch belegbar sind, ist unklar. Der deutsche Staatsangehörige sagte, der ukrainische Sicherheitsdienst habe ihn beauftragt, im Oktober 2023 militärische Anlagen in Belarus zu fotografieren und ihn zu einem Ort geführt, an dem er einen Rucksack fand, den er danach an einem Bahnhof südöstlich von Minsk auf den Gleisen abgestellt habe. Der Rucksack explodierte noch vor der Ankunft eines Zuges, niemand wurde verletzt. „Ich bedauere zutiefst, was ich getan habe und bin erleichtert, dass es keine Verletzten gab“, sagte der Mann der russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge.

Spekuliert Belarus auf einen Gefangenenaustausch im Auftrag Russlands?

Der Mann war bereits im Juni zum Tode verurteilt worden. Das Urteil wurde allerdings erst einen Monat später durch Bürgerrechtsorganisationen bekannt. Nur die eigene Familie kämpfe noch um sein Leben, von offizieller Seite setze sich niemand für ihn ein, sagt der Mann in dem Video. „Noch lebe ich, noch hat man die Zeit zu verhandeln, noch ist es nicht zu spät“, fleht er. „Die Regierung sollte um mich kämpfen.“ Immer wieder betont er, dass er den größten Fehler seines Lebens gemacht habe. Das autoritär geführte Belarus vollstreckt als letztes Land in Europa noch die Todesstrafe, und zwar durch Genickschuss.

Außenministerin Annalena Baerbock kritisierte das Vorgehen der Behörden in Belarus scharf. „Es ist unerträglich, wie das belarussische Regime einen deutschen Staatsangehörigen im Fernsehen vorgeführt hat“, sagte sie. Das Auswärtige Amt und die deutsche Botschaft vor Ort seien mit dem Mann und seiner Familie im Austausch, er werde „bestmöglich konsularisch“ begleitet. „Wir müssen alles dafür tun, dass seine Rechte gewahrt werden, gewahrt bleiben“, sagte Baerbock.

Das belarussische Außenministerium hatte mitgeteilt, Berlin Vorschläge zur Lösung der Situation gemacht zu haben. Spekuliert wurde, dass das mit Russland verbündete Land es auf einen Gefangenenaustausch abgesehen haben könnte. So ist Kremlchef Wladimir Putin an der Rückholung eines Russen interessiert, der in Deutschland wegen eines Mordes im Berliner Kleinen Tiergarten im Auftrag russischer Behörden verurteilt wurde.

© SZ/Reuters/dpa/fued - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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