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Belarus:Deutsche Anwälte reichen Klage gegen Lukaschenko ein

Orthodoxe Ostern in Belarus

Das sogenannte Weltrechtsprinzip erlaubt es, auch hierzulande Vorwürfe gegen Alexander Lukaschenko zu verfolgen.

(Foto: Maxim Guchek/dpa)

Ihre Mandanten seien Opfer der Gewalt nach der Präsidentenwahl in Belarus geworden, so die Anwälte. Sie beschreiben körperliche Misshandlung, Nahrungsmittel- und Schlafentzug, Demütigung und Entwürdigung.

Machthaber Alexander Lukaschenko ist wegen der Gewaltexzesse nach der Präsidentenwahl in Belarus beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe angezeigt worden. Wie die Deutsche Presse-Agentur und der Spiegel berichten, reichten vier Anwälte im Namen von Folteropfern eine Strafanzeige wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein. "Unsere Mandanten erwarten, dass sich Deutschland auch im Falle Belarus zur Verteidigung universeller Menschenrechte bekennt", erklärten die Anwälte der dpa zufolge. Sie forderten eine unabhängige Aufklärung, die in Belarus selbst nicht zu erwarten sei.

Das sogenannte Weltrechtsprinzip erlaubt es, auch hierzulande Völkerrechtsverbrechen von Ausländern in anderen Staaten zu verfolgen. In Belarus drohten weder Lukaschenko noch den Angehörigen seines Sicherheitsapparats rechtliche Konsequenzen, erklärten die Anwälte. Laut UN-Menschenrechtsrat gibt es zahlreiche Berichte über Folter, Entführungen, willkürliche Ausweisungen und das Verschwinden von Menschen in Belarus.

"Insgesamt kann die staatliche Behandlung nur als bestialisch bezeichnet werden"

Die Anwälte erklärten, ihre zehn Mandanten sprächen von körperlicher Misshandlung, Nahrungsmittel- und Schlafentzug, Demütigung und Entwürdigung. Man habe sie stundenlang mit gefesselten Händen auf Knien verharren lassen, so dass sie sich nur mit dem Kopf hätten abstützen können. Alle Mandanten hätten schwere gesundheitliche Folgen davongetragen. "Insgesamt kann die staatliche Behandlung nur als bestialisch bezeichnet werden", erklärten die Anwälte.

Nach der weithin als gefälscht geltenden Präsidentenwahl im vergangenen August hatten in Belarus zeitweise Hunderttausende Menschen gegen Langzeitmachthaber Lukaschenko protestiert. Wegen der Gewalt von Einsatzkräften gegen friedliche Demonstrierende verhängten die EU und die USA Sanktionen gegen Belarus.

Bei den Protesten waren vorübergehend mehr als 30 000 Menschen festgenommen worden. Es gab Hunderte Verletzte und mehrere Tote. Die Opposition sieht die ins benachbarte EU-Land Litauen geflüchtete Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja als Gewinnerin der Wahl.

© SZ/dpa/jsa/bix
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