bedeckt München 26°

Beirut:Libanons Ministerpräsident Hariri tritt überraschend zurück

Saad Hariri

Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri tritt zurück.

(Foto: dpa)
  • Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri hat überraschend seinen Rücktritt als Regierungschef erklärt.
  • In einer aus der saudischen Hauptstadt Riad übertragenen Fernsehansprache wetterte er vehement gegen den Iran und die libanesische Hisbollah-Miliz.

Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri ist zurückgetreten. In einer aus der saudischen Hauptstadt Riad TV-Ansprache warf Hariri am Samstag der Schiitenmiliz Hisbollah sowie deren Schutzmacht Iran vor, Unruhen in der Region zu schüren.

"Die Hisbollah ist der Arm des Irans, nicht nur im Libanon, sondern auch in anderen arabischen Ländern", sagte Hariri. "Das Böse, das der Iran in der Region verbreitet, wird nach hinten losgehen", sagte Hariri. Teheran warf er vor, für Chaos, Streit und Zerstörung zu sorgen.

Nnach Angaben aus seinem Umfeld wird Hariri vorerst nicht in sein Heimatland zurückkehren. "Die Sicherheitslage ist einer der Hauptgründe, die den Premier bis auf Weiteres vom Libanon fernhalten werden", sagte eine dem Ex-Premier nahestehende Quelle der Deutschen Presse-Agentur. Hariri werde nun erst einmal in andere arabische Länder reisen, um dort die Situation im Libanon zu besprechen.

Der 47-Jährige war seit Ende vergangenen Jahres Regierungschef einer breiten Koalition in dem Land am Mittelmeer. In dem Kabinett sind fast alle wichtigen politischen Parteien des Landes vereint, darunter auch die Hisbollah.

Die Regierung hat es weitgehend geschafft, das Land von den Auswirkungen des Bürgerkriegs im benachbarten Syrien zu schützen. Allerdings ist der Libanon in zwei Lager unterteilt: Auf der einen Seite stehen diejenigen um den Sunniten Hariri, die Saudi-Arabien loyal gegenüberstehen, auf der anderen Seite diejenigen, die ihre Treue zum schiitischen Iran und der schiitischen Hisbollah bekennen.

Hisbollah eine der stärksten politischen Kräfte im Libanon

Politik Israel Israel rüstet sich für Vergeltungsangriffe von Islamisten
Palästina-Konflikt

Israel rüstet sich für Vergeltungsangriffe von Islamisten

Israelische Streitkräfte zerstören einen Tunnel aus dem Gazastreifen, mindestens fünf Palästinenser kommen ums Leben. Die militante Organisation Islamischer Dschihad kündigt Vergeltung an.   Von Alexandra Föderl-Schmid

Hariri gilt als einer der einflussreichsten Sunniten im Libanon und als scharfer Gegner der schiitischen Hisbollah, die unter anderem aufseiten von Präsident Baschar al-Assad in Syrien kämpft. Er war zwischen 2009 und 2011 schon einmal Ministerpräsident. Hariris Rücktritt dürfte die Spannungen in dem Land nun erhöhen.

Hariri hatte sich Anfang der Woche in Saudi-Arabien mit dem saudischen Minister für Angelegenheiten in der Golfregion, Thamer al-Sabhan, getroffen. Am späten Freitag kehrte er dorthin noch einmal zurück, um dort am Samstag dann seine überraschende Bekanntgabe zu halten. In seiner Rede deutete er an, dass er Angst um sein Leben habe. Die Atmosphäre im Libanon sei ähnlich wie diejenige vor dem tödlichen Attentat auf seinen Vater, Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri, im Jahr 2005, sagte er.

Mehreren Hisbollah-Mitgliedern wird in ihrer Abwesenheit wegen der Tötung von Rafik Hariri vor einem Sondertribunal in den Niederlanden der Prozess gemacht. Die Miliz dementiert eine Beteiligung an dem Attentat.

Die radikalislamische Hisbollah (Partei Gottes) entstand 1982 mit iranischer Unterstützung als Antwort auf die israelische Invasion im Libanon. Seitdem kämpft sie politisch, aber auch mit Gewalt gegen Israel und für die Errichtung einer "Herrschaft des Islams". Die schiitische Partei gilt mittlerweile als eine der stärksten politischen Kräfte im multikonfessionellen Libanon. Finanziert wird sie Berichten zufolge hauptsächlich aus Teheran.