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Befreiter Gilad Schalit:1940 Tage isoliert und ohne Sonnenlicht

Blass und hager sieht Gilad Schalit aus: Mehr als fünf Jahre war der 25-Jährige in den Händen der radikalislamischen Hamas. Bislang ist über die Zeit seiner Gefangenschaft wenig bekannt. Nun erhebt Schalits Vater schwere Vorwürfe gegen die Führung im Gazastreifen.

Es sind die ersten Tage nach fünf Jahren, die der israelische Soldat Gilad Schalit in seinem Heimatdorf Mispe Hila im Norden Israels verbringt: Am Dienstag kehrte er nach fünf Jahren in den Händen der radikalislamischen Hamas heim. Seither wird der junge Mann von Sicherheitskräften abgeschirmt.

Gilad Schalit, Noam Schalit

Der freigelassene israelische Soldat Gilad Schalit zusammen mit seinem Vater Noam. Der 25-Jährige erholt sich derzeit in seinem Heimatdorf von seiner fünfjährigen Gefangenschaft.

(Foto: AP)

Wenig ist bislang über die Zeit der Gefangenschaft Schalits bekannt geworden, in einem Interview unmittelbar nach seiner Freilassung erzählte er im ägyptischen Fernsehen einige Details. Zum Beispiel, dass er kaum Tageslicht gesehen hatte.

Nun hat prangert Schalits Vater Noam die Bedingungen an, unter der sein Sohn im Gazastreifen festgehalten wurde: Schalit habe die fast 2000 Tage dauernde Gefangenschaft in der Isolation und ohne Sonnenlicht verbracht. Er leide noch immer an Unterernährung sowie an Wunden, die nicht behandelt worden seien.

Der 25-jährige Soldat war im Jahr 2006 von palästinensischen Extremisten verschleppt worden. Im Rahmen eines umstrittenen Austauschs, bei dem Israel im Gegenzug insgesamt 1027 Häftlinge freilässt, war er am Dienstag freigekommen. Am selben Tag waren bereits 477 Palästinenser in ihre Heimat zurückgekehrt.

Zwei Tage nach Freilassung Schalits nannte die Hamas Bedingungen für den weiteren Gefangenenaustausch: Sie will mitbestimmen, welche palästinensischen Häftlinge freigelassen werden und Israel dabei nicht freie Hand lassen.

Die Al-Kassam-Brigaden - der bewaffnete Arm der Hamas - forderten auf ihrer Internetseite, dass es sich um Häftlinge handeln müsse, die in Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt inhaftiert sind. Kriminelle dürften nicht darunter sein. Auch müssten ältere und kranke Häftlinge sowie alle seit mehr als 20 Jahren inhaftierten Männer bevorzugt werden.

Nach bisherigen Medienberichten wird jedoch Israel selbst die freizulassenden Häftlinge aus schätzungsweise mehr als 6000 Inhaftierten auswählen.

Die Freilassung von 1027 Palästinensern hat der radikalislamischen Führung im Gazastreifen einen enormen Popularitätsschub verschafft. Die Hamas pries den Deal als Zeichen der Stärke ihrer kompromisslosen Ideologie. Israel verstehe nur die Sprache der Gewalt, erklärten Hamas-Vertreter unlängst - ein Seitenhieb gegen den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas. Der Führer der rivalisierenden Fatah-Bewegung hatte unlängst erneut die Bereitschaft zu Friedensverhandlungen mit Israel signalisiert.

© dpa/AFP/hai/sebi
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