Befragung britischer Geheimdienstchefs:Die größte Bedrohung für das Vereinigte Königreich

Die Befragung war nicht unkritisch, aber auch nicht übermäßig investigativ. Im neunköpfigen Ausschuss sitzen hauptsächlich Mitglieder des Unterhauses, außerdem ein ehemaliger Richter und ein Mitglied des Oberhauses.

Da es sich um die erste öffentliche Befragung dieser Art handelte, waren viele Fragen allgemeiner Natur. Was ist derzeit die größte Bedrohung für das Vereinigte Königreich? Hätten die Anschläge in London im Jahr 2005 verhindert werden können? Warum haben die Dienste den Ausbruch des Arabischen Frühlings nicht vorhergesehen? John Sawers, Chef von MI6, und Andrew Parker, Chef von MI5, beantworteten diese Fragen gelassen und freundlich. Die größte Bedrohung sei der Terrorismus, und man könne nun mal nicht alles genau vorhersehen.

Dass Sawers und Parker einen eher entspannten Nachmittag verleben würden, war erwartet worden. Ob das auch für Iain Lobban, den Chef von GCHQ, gelten würde, war die spannendere Frage. GCHQ ist über die Landesgrenzen hinaus in die Kritik geraten, weil der Dienst in enger Zusammenarbeit mit amerikanischen Kollegen Kommunikationen in aller Welt flächendeckend überwacht.

Warum so viele überwacht würden, wenn so wenige das Ziel seien, wurde Lobban gefragt. "Es wäre schön, wenn die Terroristen eine Art der Kommunikation hätten und der Rest eine andere. Aber so ist es nicht. Wir suchen nach Nadeln im Heuhaufen, und wenn wir eine Nadel finden, schauen wir nicht auf das umliegende Heu." Diese Analogie gefiel Lobban so gut, dass er sie gleich zweimal benutzte.

Alle drei Geheimdienstchefs kritisierten die Veröffentlichung des Snowden-Materials, die in Großbritannien der Guardian vorantreibt. "Diese Veröffentlichungen machen unsere Arbeit auf Jahre hinaus schwieriger", sagte Lobban. Es gebe Beweise dafür, dass Terrorgruppen sich unter Bezugnahme auf die Veröffentlichungen auf neue Arten der Kommunikation verständigten. Diese Beweise, darin waren sich die drei Chefs bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt einig, würden sie allerdings nur in einer geheimen Sitzung präsentieren.

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