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Beate Zschäpe und die Neonazi-Morde:Die Frau mit den sechs Decknamen

Die Drei waren damals schon ein Trio und so sahen das auch die Behörden. 1995 wurden Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe gemeinsam erstmals in nachrichtendienstlichen Informationssystemen als Rechtsradikale gespeichert. Sie gehörten der "Kameradschaft Jena" an. Die bestand aus nur sechs Leuten. Böhnhardt wurde im Oktober 1997 wegen Volksverhetzung und Störung des öffentlichen Friedens zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt und musste nicht einrücken. Bombenattrappen tauchten in der Stadt auf, dahinter steckte vor allem Böhnhardt. Dann mietete Zschäpe eine Garage an und heimlich bauten dort die beiden Männer vier Rohrbomben mit etwa 1,4 Kilogramm TNT.

Was dann passierte, ist schon oft erzählt worden: Wie die Polizei den Zugriff vermasselte, wie das Trio abtauchte, wie die Suche der Behörden ins Nichts führte und dass das Verfahren im Jahr 2003 wegen Verjährung eingestellt wurde. Normalerweise würde man eine solche Schilderung der Abläufe für eine Räuberpistole halten.

Die Rolle von Zschäpe ist noch undeutlich. Sie hat mehrmals Wohnungen im Osten für das Trio angemietet. Sie verwendete Dokumente mit mindestens sechs Deck- und Aliasnamen, die ihr - zum Teil wenigstens - von Unterstützerinnen zur Verfügung gestellt wurden. Ob die Komplizinnen genau Bescheid wussten, ist nicht klar. In der Neonazi-Szene ist längst nicht mehr nur eine Truppe von gewalttätigen Bierbüchsenglatzen im Einsatz, für die es von der Militanz zur Menschenjagd nur ein Schrittchen ist. Die braunen Frauen sind aktiv. Andrea Röpke und Andreas Speitz haben dieses Phänomen in dem Buch "Mädelsache" genauer beschrieben.

Wie war das normale Leben im Untergrund? Wer hat gespült, wer hat den Müll runtergebracht? Trugen die Waffennarren Böhnhardt und Mundlos auch daheim schweres Gerät? Wenn Zschäpe nicht beim Morden dabei gewesen sein sollte, stellt sich doch die Frage, was sie wann erfahren hat. Haben die Killer ihr gesagt, wir fahren nach Nürnberg oder Dortmund, um dort wieder einen Ausländer zu liquidieren? Hatte dann das Opfer für sie keinen Namen und keine Geschichte, war das Opfer ein Objekt - oder wusste sie von nichts? Aber wer sollte das glauben nach alledem?

In etwa 30 Fällen wurden über all die Jahre Wohnmobile angemietet und mit Campern fuhren die Killer zu den Tatorten. Die Autos gemietet hat meist Zschäpe, die vom "Familienurlaub" schwafelte. Die beiden Terroristen seien "ihre Familie" gewesen, hat die junge Frau, die noch die Mutter und eine Oma hat, Polizeibeamten in Zwickau erzählt. Als sich die braunen Familienmitglieder erschossen hatten, brachte sie ihre beiden Katzen zur Nachbarin, holte Brandsätze, rannte weg und dann habe sie den "Gedanken gehabt", sich das Leben zu nehmen, sagt sie den Polizisten nach ihrer Festnahme. Dieses vielfach zerissene Leben soll jetzt zusammengesetzt werden.