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Anschlag auf Bataclan in Paris:Polizei nimmt Terrorverdächtigen in Deutschland fest

Der Schriftzug der nach dem Anschlag renovierten Fassade des "Bataclan" in Paris

(Foto: AP)
  • In Bad Dürrenberg bei Halle (Saale) haben Spezialkräfte den 39-jährigen Bosnier Adis A. festgenommen.
  • Gegen den Mann besteht ein europäischer Haftbefehl der belgischen Behörden. Er wird verdächtigt, in Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen von 2015 zu stehen.
  • Die Staatsanwaltschaft prüft jetzt eine Auslieferung nach Belgien.

Die Staatsanwaltschaft Dresden und das Bundeskriminalamt haben einen 39-jährigen Bosnier namens Adis A. festgenommen, der im Verdacht steht, in Verbindung mit dem Terroranschlag von 2015 in Paris zu stehen. Der Mann wurde mit einem europäischer Haftbefehl der belgischen Behörden gesucht. Unter anderem soll er in Zusammenhang mit den Anschlägen auf die Konzerthalle Bataclan stehen.

Bei der koordinierten Anschlagsserie am 13. November 2015 in Paris hatten IS-Extremisten 131 Menschen ermordet.* Die Angreifer feuerten auf Bars und Restaurants, in der Konzerthalle "Bataclan" richteten sie ein Massaker an. Am Stade de France sprengten sich während des Fußball-Länderspiels zwischen Frankreich und Deutschland drei Selbstmordattentäter in die Luft.

Der jetzt in Deutschland festgenommene Terrorverdächtige war im Zuge anderer Ermittlungen ins Visier der Dresdner Polizei gerückt. So hatten Bundespolizisten bereits im Februar mehrere bosnische Staatsangehörige im Bereich des Dresdner Hauptbahnhofs kontrolliert und ein Fahrzeug durchsucht. Dabei hatten sie 18 in Folie verpackte Handgranaten gefunden, die "augenscheinlich aus industrieller Fertigung" stammten, wie die Staatsanwaltschaft damals mitteilte. Das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) in Sachsen ermittelte wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und stieß anschließend auch auf den jetzt festgenommenen 39-Jährigen.

In der Nacht vom 19. auf den 20. Juni nahmen Spezialkräfte des BKA den Mann in Bad Dürrenberg südlich von Halle fest. Die Dresdner Ermittler hatten ihn im Verdacht, dass er an Waffengeschäften beteiligt war. Allerdings wurden weder Kriegswaffen noch "verbotene oder erlaubnispflichtige Gegenstände" bei dem Beschuldigten gefunden. Einen Haftbefehl konnte die Staatsanwaltschaft Dresden daher nicht beantragen, wie es in einer Mitteilung heißt. Aufgrund des bestehenden europäischen Haftbefehls des Untersuchungsgerichts Brüssel wurde der Bosnier allerdings dem Ermittlungsrichter vor dem Amtsgericht Merseburg vorgeführt. Er befindet sich derzeit in vorläufiger Auslieferungshaft.

Die Ermittlungen gegen ihn und zwei weitere bosnische Staatsangehörige dauern an. Zum "Gesamtsachverhalt" will die Staatsanwaltschaft derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Informationen geben. Für das Auslieferungsverfahren des 39-Jährigen ist die Generalstaatsanwaltschaft in Sachsen-Anhalt zuständig.

* Anmerkung der Redaktion: Ein Überlebender des Bataclan-Anschlags nahm sich im Jahr 2017 in einer psychiatrischen Klinik das Leben. Er wurde in diesem Jahr als 131. direktes Opfer der Anschläge anerkannt.

© SZ.de/dpa/aner/mane/cat
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