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Barack Obama:Endlich vor dem Brandenburger Tor

Der ehemalige US-Präsident kommt als Überraschungsgast zum Evangelischen Kirchentag nach Berlin - am 25. Mai wird er dort mit Kanzlerin Merkel diskutieren. Obama gilt als leiser Christ, die Erwartungen an seine Worte aber sind riesig.

Über seinen Glauben redet Barack Obama selten, anders als die Präsidenten Jimmy Carter oder George W. Bush das taten, die selbstverständlich ihre Frömmigkeit dem Volk und der Welt präsentierten. Erst als Erwachsener fand der spätere US-Präsident zur Religion; die Christen, die sich um die Leute in Chicagos armer Southside kümmerten, beeindruckten ihn. Es lag auch an Obamas Zurückhaltung, dass sich das Gerücht hielt, der Präsident sei Muslim - dabei ist er Mitglied einer reformierten Kirche, dabei hat er 2013 seinen Amtseid mit der Hand auf gleich zwei Bibeln geleistet: der des Pastors und Bürgerrechtlers Martin Luther King und der des US-Präsidenten Abraham Lincoln.

Die Kirchentagspräsidentin erwartet vom prominenten Gast ein ganz besonderes Statement

Und nun wird Barack Obama, der leise Christ, zu Deutschlands größtem Christentreffen kommen, als Überraschungsgast zum Evangelischen Kirchentag, der dieses Jahr in Berlin und Wittenberg stattfindet, wo vor 500 Jahren Martin Luther seine Thesen gegen den Ablass veröffentlichte. Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), hat ihn 2016 eingeladen. Vor wenigen Tagen hat der Ex-Präsident dann zugesagt: Am Donnerstag, 25. Mai, wird er vormittags auf einer Bühne vor dem Brandenburger Tor mit Kanzlerin Merkel diskutieren. Ein Honorar wird Obama nicht nehmen; immerhin aber kann er nun dort auftreten, wo er 2008 nicht durfte: Damals wollte Merkel ihn nicht vorm Brandenburger Tor reden lassen, das hätte nach Wahlkampfhilfe ausgesehen. Die Rede an der Siegessäule dürfte ihm trotzdem in bester Erinnerung sein.

2013 sprach er schließlich doch vor dem Tor zu den Berlinern.

Auch diesmal dürfte Obamas Besuch übers Kirchentagspublikum hinaus - erwartet werden 140 000 Dauergäste - Zehntausende Interessierte und Schaulustige anziehen. Entsprechend groß ist die Freude bei den Kirchentagsverantwortlichen, als sie in Berlin den Scoop verkünden. Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au sagt, sie erwarte vom prominenten Gast Worte, "die in diesem Jahr nicht schon tausendmal gesagt und gedruckt" worden seien. Das allerdings legt die Latte ganz schön hoch.

© SZ vom 12.04.2017

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