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Banken:Wider den Dispo-Wucher

Die Banken müssen endlich die wahren Dispo-Zinsen offenlegen.

Von Guido Bohsem

Wer sein Girokonto überzieht, muss dafür zahlen. Schließlich nimmt der Kunde einen kurzfristigen Kredit der Bank in Anspruch. Mit diesem Geld kann er dann Dinge kaufen und bezahlen, die er sich sonst nicht hätte leisten können, jedenfalls nicht sofort. So ein Dispokredit ist eine ungeheuer praktische Sache, und die meisten Verbraucher dürften einsehen, dass es ihn nicht gratis geben kann.

Doch machen viele Banken ein Geschäft daraus, dass der Dispokredit so praktisch ist. Weil er tagesgenau abgerechnet wird, ist für die Kunden beinahe undurchschaubar, wie hoch die Zinsen eigentlich liegen. Und so verlangen manche Institute Zinssätze, die man nur noch als Wucher bezeichnen kann. Bis zu 13 Prozent werden fällig, obwohl sich die Banken selbst in der derzeitigen Niedrigzinsphase spottbillig Geld leihen können.

Die Bundesregierung geht nun gegen diesen Dispo-Wucher vor und verpflichtet die Institute, den Zinssatz auf den eigenen Internet-Seiten zu veröffentlichen. Das klingt erst einmal selbstverständlich, ist es aber bei Weitem nicht. Zu manchen Banken muss man derzeit sogar hinfahren, um die Konditionen für den Dispokredit persönlich zu erfragen. Wird der Dispo-Zinssatz nun transparenter, wird sich manch ein Kunde überlegen, ob er bei seiner Bank noch gut aufgehoben ist und eine günstigere wählen. So funktioniert Wettbewerb im Sinne des Kunden.

© SZ vom 16.07.2015

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