Bamf Asyl-Bundesamt will abgeschobenen Flüchtling zurückholen

  • Ein 20-jähriger Asylbewerber wurde unrechtmäßig nach Afghanistan abgeschoben und soll nun zurückgeholt werden.
  • Bundesinnenminister Seehofer räumt Fehler des Asyl-Bundesamts ein. Es habe die Identität des Mannes falsch zugeordnet.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) will einen unrechtmäßig abgeschobenen Asylbewerber aus Afghanistan zurückholen. Das teilt das Bundesinnenministerium mit. "Das Bamf will die für die Rückholung nötigen Schritte einleiten", sagte die Sprecherin Eleonore Petermann.

Es geht um den Fall eines 20-jährigen Asylbewerbers, der aus Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern abgeschoben worden war. Sein Abschiebung rief heftige Kritik hervor. Nach Recherchen des NDR handelt es sich bei dem Afghanen um einen jener 69 Menschen, die am 3. Juli nach Kabul geflogen worden waren.

Seehofer räumt Fehler des Bamf ein

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) räumte Fehler des Bamf ein. Nicht einmal die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern hätten über den Fehler des Asyl-Bundesamtes Bescheid gewusst, sagte er. So habe die Behörde die Identität des Mannes falsch zugeordnet.

Das Bamf ging dem NDR zufolge trotz eines richterlichen Hinweises davon aus, dass der Asylantrag des Flüchtlings rechtskräftig abgelehnt worden sei. Der Mann hatte laut seiner Anwältin Sonja Steffen aber schon im vergangenen Jahr gegen die Ablehnung geklagt. Dies bestätigte auch das zuständige Verwaltungsgericht in Greifswald. Zu diesem Zeitpunkt des Verfahrens hätte der Mann nicht abgeschoben werden dürfen, erklärte ein Gerichtssprecher im NDR.

Anwältin Steffen, die auch für die SPD im Bundestag sitzt, und die Organisation Pro Asyl hatten gefordert, den jungen Mann nach Deutschland zurückzuholen. "Das Bundesinnenministerium hat das Behördenversagen des Bundesamtes eingeräumt und sollte in der Lage sein, mit dem Auswärtigen Amt eine schnelle Rückholung zu ermöglichen (...)", erklärte die Organisation jetzt. Sie verwies auf den Fall eines anderen abgeschobenen Flüchtlings, der im Dezember vergangenen Jahres auf Anordnung des Verwaltungsgerichts Sigmaringen in Baden-Württemberg aus Afghanistan zurück geholt werden musste.

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Er gehört einem Bericht zufolge zu den 69 Menschen, die von München aus nach Kabul geflogen wurden. Demnach war sein Asylverfahren zum Zeitpunkt der Abschiebung noch nicht abgeschlossen.