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Balkankriege 1912 und 1913:Als Südosteuropa zum Pulverfass wurde

Die Balkankriege 1912/1913 machten Südosteuropa zum Schlachtfeld. Sie ermunterten die Großmächte zur Rüstung - und zündeten die Lunte für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Historische Bilder.

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Kaiser Franz Josef I. von Österreich

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Die Balkankriege 1912/1913 machten Südosteuropa zum Schlachtfeld. Sie ermunterten die Großmächte zur Rüstung - und zündeten die Lunte für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Historische Bilder.

Zu seinem 60. Thronjubiläum 1908 annektierte Österreichs Kaiser Franz Josef I. (1830-1916) Bosnien-Herzegowina, das völkerrechtlich zum Osmanischen Reich gehörte. Dieser Schritt forcierte den Nationalismus der slawischen Volksgruppen wie der Serben, Montenegriner und Bulgaren, aber auch der Griechen.

Lanzenreiter der osmanischen Kalvalerie

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Das Osmanische Reich hatte bis dahin weite Teile des Balkans kontrolliert. Doch nun, nach der Niederlage in Nordafrika gegen Italien, bei dem es das heutige Libyen an Rom verlor, war die militärische Schwäche Konstantinopels offensichtlich. Die christlichen Balkanländer Serbien, Montenegro und Bulgarien initiierten den Balkanbund (auch Balkanliga), ein Bündnis, dem sich auch Griechenland anschloss. Im Hintergrund stand die Großmacht Russland als Patron für die "slawischen Brüder" und erhoffte sich selbst einen Machtzuwachs auf Kosten des Osmanischen Reichs.

Im Bild: Lanzenreiter der osmanischen Kavallerie 1912.

Bulgarische Soldaten im Balkankrieg

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Der Balkanbund fügte den osmanischen Truppen einige empfindliche Niederlagen zu. Im Mai 1913 wurde im fernen London Frieden geschlossen, bei dem die Interessen der europäischen Großmächte wie Ungarn berücksichtig wurden. So wurde der Staat Albanien auch deshalb gegründet, damit Serbien keinen Zugang zum Mittelmeer erhielt - ganz im Sinne Österreich-Ungarns.

Im Bild: Bulgarischer Soldat neben einem gefallenen Kameraden 1912.

Eroberte türkische Artilleriestellung bei Edrine Balkankrieg 1913

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Wenig später, im Juni 1913, kam es zum nächsten Krieg. Diesmal bekämpften sich die zuvor verbündeten Länder Bulgarien sowie Serbien und Griechenland wegen konkurrierender Territorialansprüche. Bald schalteten sich auch Rumänen und Osmanen mit ein. Im Krieg kamen moderne Waffen zum Einsatz, die aus Frankreich und Deutschland stammten. So wurde der Balkan zum grausamen Testfeld.

Im Bild: Tote Soldaten liegen im März 1913 in einer Geschützstellung der osmanischen Armee im Fort Ayvazbaba bei Edirne (Adrianopel). Die Festung in der heutigen Türkei wurde in einem der Balkankriege von gegnerischen Truppen erobert. Die Kanone ist ein 15-Zentimeter-Ringgeschütz der deutschen Rüstungsschmiede Krupp.

Lanzenreiter der osmanischen Kalvalerie

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Am Ende des Zweiten Balkankrieges verlor Bulgarien die Eroberungen aus dem ersten Waffengang. Serbiens Macht auf dem Balkan wuchs, in Belgrad träumte man von einer größeren Ausdehnung.

Im Bild: Lanzenreiter der osmanischen Kavallerie.

Soldaten der osmanischen Kalvalerie

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Mehr als 350 000 Soldaten waren in dem Krieg umgekommen, der sowohl mit Lanzen, als auch mit modernen Waffen wie Maschinengewehren geführt worden war. Zeitungen druckten Fotos von Leichenbergen und berichteten von Massakern an Zivilisten.

Im Bild: Soldaten der osmanischen Armee im Jahr 1912.

Kaiser Wilhelm II., 1912

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Doch friedenssichernde Lehren wurden in den europäischen Hauptstädten nicht aus den Balkankriegen gezogen - schon gar nicht in Berlin. Dort herrschte Kaiser Wilhelm II. und umgab sich mit Jasagern und Militaristen. Der Monarch frohlockte über den Ausbruch des Ersten Balkankrieges und hätte dann am liebsten selbst an der Seite Österreich-Ungarns eingegriffen und einen europäischen Krieg mit Frankreich und Russland riskiert. Wihelm schreckte dann aber doch zurück - weil Großbritannien signalisiert hatte, Frankreich beizustehen.

Im Bild: Porträt des Deutschen Kaiser und Königs von Preußen Wilhelm II., aufgenommen im Jahr 1912 vom Wiener Kupferstecher und Radierer Ferdinand Schmutzer (1870-1928).

Erzherzog Franz Ferdinand

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Deutschland, Frankreich und die anderen späteren Kriegsparteien forcierten nach den Balkankriegen ihre Rüstung. Doch der Einfluss der europäischen Großmächte auf die Balkanstaaten schwand, in der dortigen Bevölkerung gewann der Nationalismus die Oberhand. Anders als der deutsche Kaiser war der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand nicht kriegslüstern. Am 28. Juni 1914 fiel er in Sarajevo einem Attentat zum Opfer, das ein serbischer Nationalist ausführte - der Auslöser für den Ersten Weltkrieg.

Im Bild: Der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand (rechts) besucht Kaiser Wilhelm II. (Mitte) in Berlin im Jahr 1909.

Österreich im ersten Weltkrieg Serbien Erschießung

Quelle: National Archives and Records Administration/dpa

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Das "Pulverfass Balkan" explodierte: Österreich-Ungarn erklärte mit Rückendeckung Deutschlands Serbien 1914 den Krieg, um die Vorherrschaft auf dem Balkan endgültig zu seinen Gunsten zu entscheiden. Durch einen fatalen Dominoeffekt zwischen Verbündeten befanden sich innerhalb weniger Tage alle europäischen Großmächte im Krieg - der erste Weltenbrand war entfacht. Auf dem Balkan kam es zu Gräueln gegen Zivilisten. Serbien verlor fast ein Viertel seiner Bevölkerung im Ersten Weltkrieg.

Im Bild: Österreichische Soldaten erschießen während des Ersten Weltkriegs mutmaßliche serbische Nationalisten hinter der Front

© SZ.de/odg/mikö

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