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Bahn-Projekt Stuttgart 21:Ein Bayer soll es richten

Baustelle Stuttgart 21

Blick auf die Baustelle: Der Nordflügel des Hauptbahnhofs von Stuttgart

(Foto: dpa)

Querelen, Volksabstimmung, Kostenexplosion: Trotz aller Probleme soll es bei Stuttgart 21 mit einem neuen Chef als Antreiber nun wirklich losgehen. Der Münchner Manager Manfred Leger will das umstrittene Projekt pünktlich bis 2021 fertigstellen - sogar deutlich billiger als geplant.

Von Roman Deininger und Max Hägler

Es ist ein ganz schönes Getümmel für einen Donnerstagvormittag auf der Aussichtsplattform des Stuttgarter Bahnhofsturms. Vielleicht wollen die Leute einfach noch ein letztes Mal hier oben den Prachtblick hinunter in den Talkessel genießen, bevor der Turm demnächst in Richtung Fußgängerzone kippt. Das befürchten zumindest die Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21, sie glauben, dass der fast 100 Jahre alte Turm auf Eichenpfählen steht, die morsch werden könnten, wenn sie während der Aushubarbeiten für den neuen Tiefbahnhof mit Luft in Berührung kommen. Manfred Leger glaubt das nicht.

So ein Schmarrn!

Er schaut herab auf die Baustelle, die jetzt seine Baustelle ist, er sagt, dass die Pfähle aus Eisenbeton sind, aber dass das egal sei, weil der Turm auch nicht umfallen würde, wenn sie tatsächlich aus Holz wären. Leger ist Münchner, Ur-Münchner, dialektstark, er würde jetzt wohl gern rufen: So ein Schmarrn! Aber das darf er natürlich nicht. Er sagt: "Der Trog berührt das Fundament des Turmes gar nicht. Und überhaupt: Der Turm gehört der Bahn. Die Bahn wird doch einen Teufel tun, dieses Wahrzeichen Stuttgarts, ihr Eigentum, auch nur im Ansatz zu gefährden."

Im Februar 2010 war Spatenstich bei Stuttgart 21, seitdem wurde der Spaten freilich kaum mehr gebraucht. Zuerst war die Bahn von einem Volksaufstand aufgehalten worden; dann hatte der Konzern auch ohne fremde Hilfe Wege gefunden, einfach nicht voran zu kommen. Der Tiefbahnhof, acht unterirdische Durchgangsgleise quer zum bestehenden Kopfbahnhof, ist immer noch ein ziemlich theoretisches Vorhaben. Man könnte sagen: Es ist mit dem Teufel zugegangen auf der einzigen deutschen Baustelle, die es an unannehmlichen Schlagzeilen mit dem Berliner Pannenflughafen aufnehmen kann. Stuttgart 21 ist für viele Menschen - ob zurecht oder nicht - ein Kürzel für Kostenexplosion, Fehlplanung, Verzögerung.

Stuttgart 21 - Manfred Leger

Der Wirtschaftsingenieur Manfred Leger leitet jetzt das Bahnprojekt Stuttgart 21

(Foto: dpa)

Wenn Stuttgart 21 ein vom Abstieg bedrohter Fußballverein wäre und Manfred Leger ein Trainer: Dann würde man ihn wohl einen Feuerwehrmann nennen.

Eine neue Phase

Leger, 59, mag das Bild nicht. "Ich bin kein Feuerwehrmann. Ich trete an zu einem Zeitpunkt, an dem viel vorsortiert ist." Die Schlichtung überstanden, die Volksabstimmung gewonnen, der Aufsichtsrat der Bahn überzeugt. Der erste Tunnel-Anstich mitten in der Stadt steht bevor. Geht es nach der Bahn, beginnt für das Projekt eine neue Phase. Es soll nicht mehr diskutiert werden, sondern nur noch gebaut. Eine neue Struktur soll dabei helfen: Bisher wurden bei S 21 diverse Sparten des Konzerns zusammengeführt, mehr schlecht als recht offenbar, oft musste Infrastrukturvorstand Volker Kefer einfliegen, um Probleme zu klären. Jetzt gibt es eine eigene Projektgesellschaft, die alle Aufgaben bündelt - mit Leger als Chef.

Ein gemütlicher Bayer im strengen Schwaben, das ist der erste Eindruck oben auf dem Bahnhofsturm. Aber eben auch ein international erfahrener Schienenbauer, bei dem Mundart und Managersprech verschmelzen. Für den britischen Großkonzern Balfour Beatty hat er in Bulgarien und Malaysia Gleisanlagen errichtet, er war Assistent des heutigen Daimler-Aufsichtsratschefs Manfred Bischoff.

Bahn-Vorstand Kefer hat ihn persönlich ausgewählt für den Job. Leger will nun das Projektmanagement professionalisieren, etwa mit einer Software, die beinahe in Echtzeit und in 3D Bauplanänderungen darstellen kann. Auch den Arbeitsschutz, der hierzulande nicht ganz so ausgeprägt sei, will er auf höchstes Niveau hieven.

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