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Bafög:Reich ist relativ

Der Bund sollte mehr Studierende finanziell fördern.

Von Susanne Klein

Immer mehr Eltern sind so reich, dass ihre studierenden Kinder kein Anrecht auf Bafög haben. Moment, immer mehr Eltern sind so "reich", muss es heißen. Erst mit den relativierenden Gänsefüßchen kann man die stetig sinkende Zahl an Bafög-Empfängern verstehen.

Ein Student braucht im Schnitt 1000 Euro monatlich, hat das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie errechnet. 1000 Euro vom Eltern-Netto, das überfordert viele. Das Kind einen Teil selbst verdienen zu lassen, geht oft nicht: Viele Studiengänge sind so lernintensiv, dass fürs Jobben keine Zeit bleibt.

Doch dafür interessiert sich das Bafög-Amt nicht. Es setzt beim Einkommen der Eltern veraltete Maßstäbe an. Es ignoriert die Kostenspirale, etwa bei Studentenbuden. Und es schließt Bachelor-Studierende über 30 sowie Fachwechsler, Zweitstudiums- und Teilzeitstudenten aus.

So geht das nicht. Seit Anfang 2015 zahlt der Bund das Bafög allein. Damit hat er den Ländern eine Last abgenommen, nun soll er sie gefälligst auch tragen. Er muss das Bafög aktiv gestalten. Wie, das beten Kenner der Materie ihm schon lange vor: Bafög-Sätze und Elternfreibeträge auf einen Schlag um zehn Prozent erhöhen und sogleich dynamisieren. Den Kreis der Bezieher öffnen. Und für das Bafög kräftig werben. Denn es dient der Chancengleichheit im Land.

© SZ vom 03.08.2018

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