Plagiatsvorwürfe:Baerbock nimmt ihr Buch aus dem Handel

Lesezeit: 1 min

Annalena Baerbock stellt Buch vor

Unbelegte Stellen und fehlende Quellenangaben in ihrem Buch machten Annalena Baerbock im Wahlkampf schwer zu schaffen.

(Foto: Christoph Soeder/dpa)

Plagiatsvorwürfe hatten das Werk der Co-Chefin der Grünen in Verruf gebracht - für eine Überarbeitung fehlt Annalena Baerbock nun die Zeit, sagt sie.

Von Constanze von Bullion, Berlin

Es gilt als Sargnagel der grünen Bundestagswahlkampagne, nun soll es baldmöglichst in Vergessenheit geraten: das Buch von Annalena Baerbock. Die Parteichefin und ehemalige Kanzlerkandidatin der Grünen war im Frühjahr erheblich unter Druck geraten. Grund war neben ungenauen Angaben zu Nebeneinkünften und ihrem Lebenslauf ein Buch mit dem Titel "Jetzt. Wie wir unser Land erneuern". Ein sogenannter Plagiatsjäger wies nach, dass zahlreiche Passagen darin abgeschrieben waren. Nach scharfer öffentlicher Kritik wollte Baerbock das Buch überarbeiten. Nun teilte der Ullstein-Verlag mit: Dazu kommt es nicht mehr.

Baerbock habe entschieden, das Buch nicht mehr drucken zu lassen, teilte der Ullstein-Verlag am Donnerstag in Berlin mit. Offenbar war die Zahl unbelegter Stellen und fehlender Quellenangaben so groß, dass die Grünen-Vorsitzende die Überarbeitung des Buchs für unvereinbar hält mit ihren Aufgaben in Berlin.

"Der Wahlkampf und die nachfolgenden Sondierungs- und Koalitionsverhandlungen haben nicht den Raum für die notwendigen Ergänzungsarbeiten gelassen", ließ die Grünen-Vorsitzende nun über den Verlag mitteilen. "Es ist absehbar, dass sich dies in den kommenden Monaten nicht ändern wird." Bereits gedruckte Exemplare würden noch verkauft, das eBook ist hingegen ab sofort nicht mehr erhältlich, erklärte eine Verlagssprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Baerbocks Buch enthielt neben Details zu ihrer Familiengeschichte politische Vorschläge für Deutschlands Zukunft. Zahlreiche Fakten, aber auch eine persönliche Passage über Baerbocks Reise zu verfolgten Jesiden wiesen auffallende sprachliche Ähnlichkeiten mit Texten anderer Autorinnen und Autoren auf. Quellenangaben fehlten in dem Buch. Der österreichische Medienwissenschaftler Stefan Weber erhob Plagiatsvorwürfe.

Die Grünen verteidigten das Buch zunächst vehement. Bundesgeschäftsführer Michael Kellner sprach von "Rufmord". Der Medienanwalt Christian Schertz wies Vorwürfe der Urheberrechtsverletzung zurück. Um einen von den Grünen angekündigten Rechtsstreit aber wurde es bald still. Baerbock räumte Fehler ein und kündigte eine Überarbeitung des Buchs an. Von einer neuerlichen Debatte aber verspricht sie sich offenbar wenig Gutes. Das Land brauche "eine Modernisierung für eine gute Zukunft". Dazu wolle sie "in den nächsten Jahren das mir Mögliche beitragen", teilte sie über den Verlag mit.

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