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Baden-Württemberg: SPD-Kandidat Nils Schmid:"Mappus sieht das Land als Eigentum der CDU"

Nils Schmid will Ministerpräsident im Südwesten werden. Im Gespräch mit sueddeutsche.de verrät er, wie er an den Grünen vorbeiziehen will - und wieso seine Partei eine Auffrischung verträgt.

Nils Schmid, 37, ist seit 2009 Landesvorsitzender der SPD in Baden-Württemberg. Der in Nürtingen lebende Jurist gilt als Experte auf dem Gebiet der Finanzen - als großer Wahlkämpfer ist er bislang nicht aufgefallen. Dementsprechend zögerlich sind die Wähler noch: In Umfragen liegt die SPD hinter CDU und den Grünen.

SPD Baden-Wuerttemberg stimmt ueber Wahlprogramm ab

Nils Schmid auf dem Parteitag in Stuttgart: "Es geht um einen wirklichen Neuanfang, der eine Perspektive schafft. Das geht nur mit einem neuen Mann."

(Foto: dapd)

sueddeutsche.de: Herr Schmid, die SPD hat viele Jahrzehnte daran gearbeitet, die CDU als Regierungspartei in Baden-Württemberg abzulösen. Jetzt könnte es so kommen - aber nicht mit Ihnen als Ministerpräsident. Was ist das für ein Gefühl?

Nils Schmid: Das wäre natürlich eine historische Ungerechtigkeit (lacht). Aber entscheidend ist zunächst mal, die CDU in die Opposition zu schicken und einen echten Wechsel herbeizuführen. Das wird nur gelingen, wenn die SPD die Regierung anführt, weil wir als Vollsortimenter die Breite der Gesellschaft erreichen können, während die Grünen eher Nischenanbieter sind.

sueddeutsche.de: In den Wahlumfragen liegen die Grünen vor der SPD. Sie haben bekräftigt, auch als Juniorpartner in eine grün-rote Regierung zu gehen. Ist es taktisch klug, sich schon vor der Wahl mit Platz drei zufriedenzugeben?

Schmid: Hätte ich das nicht gesagt, würde uns jetzt immer unterstellt, wir wollten eigentlich eine große Koalition mit der CDU eingehen. Juniorpartner zu sein ist immer unerfreulich. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir am Ende vor den Grünen liegen. Weil wir nicht nur Bahnhof verstehen.

sueddeutsche.de: Die Grünen gehen selbstbewusst in den Wahlkampf, ein klares Bekenntnis zur SPD als Koalitionspartner hört man selten. Wie kommen Sie damit zurecht, so abhängig zu sein?

Schmid: Alleine, aus eigener Kraft, werden wir den Wechsel in Baden-Württemberg nicht schaffen. Eine absolute Mehrheit bekommen wir dann vielleicht bei der Landtagswahl 2016 (lacht). Aber im Ernst: Die Grünen sollen durchaus stark sein und mithelfen, eine rot-grüne Mehrheit zu bilden. In den Wochen bis zur Wahl werden wir deutlich machen, dass wir für ein modernes und soziales Baden-Württemberg stehen.

sueddeutsche.de: Die Grünen sind gegen Stuttgart 21, die SPD ist grundsätzlich dafür. Droht der Wechsel daran zu scheitern?

Schmid: Deshalb habe ich ja den Vorschlag einer Volksabstimmung ins Spiel gebracht. Es ist auch ausdrücklich ein Brückenschlag hin zu den Gegnern. Wenn die Grünen sich endlich festlegen, dass sie diesen Weg mit uns gehen wollen, dann steht einer gemeinsamen Regierung nichts weiter im Wege. Ich werde aber nicht einfach aus dem Projekt aussteigen. Das wird es mit mir nicht geben.

sueddeutsche.de: Hat die Union eigentlich recht, wenn sie behauptet: Die Grünen sind die Dagegen-Partei?

Schmid: Nein, weniger dagegen, sondern mehr die Wohlfühl-Partei. Auf Dauer reicht es aber nicht, auf der Welle des Zeitgeists zu surfen. Wir stehen dazu, unser Industrieland Baden-Württemberg weiterzuentwickeln und dafür auch die nötige Infrastruktur zu schaffen.

sueddeutsche.de: Nicht nur bei Stuttgart 21 ist Ihre Position sehr ausgewogen. Im Wahlkampf ist das eher unüblich. Selbst Parteifreunde äußern Zweifel an der Durchschlagskraft Ihrer Aussagen.

Schmid: Die Polarisierung zwischen Schwarz und Grün hat unseren Vorschlag einer Volksabstimmung tatsächlich lange überlagert. Bei den anderen wichtigen Themen hat die SPD sehr starke eigene Positionen, die wir in den nächsten Wochen herausstellen werden: Gleiche Bildungschancen, solidarische Krankenversicherung, faire Bedingungen am Arbeitsmarkt, Integration - das sind die Themen, die an Fahrt gewinnen werden. Ich bin zuversichtlich, dass die Bürger auf diesen Gebieten mehr erwarten von der Politik als nur Diskussionen über einen Bahnhof.

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