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Baden-Württemberg:Günther Oettinger und der "Fettnapf-ICE"

Auch nach fast drei Jahren an der Spitze von Baden-Württemberg vermittelt Oettinger oft ein Bild, als habe er gerade begonnen mit dem Regieren, als probiere er dieses und jenes mal, als müsste er sich noch finden. Manchmal aber hat man den Eindruck, als entferne er sich immer weiter von sich selbst. Als verliere sich da einer auf der Suche nach dem Ministerpräsidenten in sich.

Auch bei vielen Kollegen im Kabinett herrscht nach wie vor Unklarheit, wer Oettinger eigentlich ist. Es gibt zumindest zwei Seiten. Da ist einmal der Günther Oettinger, der sich ständig selbst kontrolliert, der mit den verspannten Gesichtsmuskeln. Als es vor drei Jahren darum ging, Erwin Teufel abzulösen, sagten viele aus dem Oettinger-Lager, es müsse nun endlich Schluss sein mit den hölzernen Auftritten Teufels, mit dieser ganzen Biederkeit.

Frischer Wind müsse her in Baden-Württemberg. Mittlerweile muss man aber sagen, dass Günther Oettinger höchstens einmal kurz durchgelüftet hat. Seine Auftritte erinnern manchmal durchaus an den Vorgänger, an das hölzerne. "So schnell wie möglich, so gründlich wie sinnvoll", sagte er vor wenigen Tagen zu einer anstehenden Entscheidung. Das war reinster Teufel-Sprech.

Der andere Oettinger ist "außerhalb der Kernarbeitszeit" zu besichtigen, so hat er es kürzlich selbst formuliert. Dann merkt man ihm die Sozialisation in Junger Union und Studentenverbindung an: Auf mehreren Geburtstagsfeiern nannte er Freunde schon "Weltmeister im Seitensprung". Seine beste Rede hielt er nicht im Parlament, sondern auf dem 60. Geburtstag von Rezzo Schlauch.

Sehr locker kann er dann sein, so locker, dass der steife öffentliche Oettinger vielleicht glaubt, den lockeren privaten kontrollieren zu müssen. Manchmal geht es aber einfach mit ihm durch. Auf einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche, als er zur Zukunft seines geachteten Finanzministers Gerhard Stratthaus gefragt wurde, sagte Oettinger, er könne sich gut vorstellen, dass dieser künftig "ehrenamtliche Aufgaben" übernimmt.

In der CDU hat ihm das einigen Ärger eingebracht, weil man so einen verdienten Mann doch nicht verabschieden könne. Stratthaus wird seitdem fast wie ein Märtyrer gefeiert und Oettinger stand wieder als Tölpel da, der einen Finanzminister feuert, der es schaffte, dass Baden-Württemberg seit langem mal wieder keine neuen Schulden macht, sogar alte abzahlt. Dass Stratthaus' Ablösung im Mai 2006 erstmals verkündet wurde, dieser die Jahre unter Teufel auch fleißig Schulden gemacht hatte und erst seit Oettinger auf Konsolidierungskurs ist, ging dabei etwas unter. Wie manches andere auch.

Er hat aber manches angegangen, was überfällig war, machte dem konservativen Teil der CDU im Land klar, dass mehr Kinderbetreuung kein Werk des Teufels ist und hat das Milliardenprojekt Stuttgart 21 auf den Weg gebracht, die Untertunnelung des Stuttgarter Bahnhofes mit Schnellbahnstrecke nach Ulm.

Lesen Sie auf Seite 3, wie sonderbar es in Oettingers Terminkalender zugeht.