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Erschossener Journalist:Russland weist Verantwortung für Tod von Kreml-Kritiker zurück

Der russische Journalist Arkadi Babtschenko wurde im Mai 2018 in seiner Wohnung in Kiew erschossen.

Wurde vor seiner Wohnung in Kiew erschossen: der russische Journalist Arkadi Babtschenko.

(Foto: dpa)

Babtschenko hatte Russland Anfang 2017 wegen Drohungen verlassen. Am Dienstag wurde er in Kiew ermordet - die Ukraine sieht die Verantwortlichen in Moskau.

Update 30. Mai 16:48 Uhr: Wie der ukrainische Geheimdienst bekannt gab, erschien Arkadi Babtschenko am Mittwoch in Kiew auf einer Pressekonferenz des ukrainischen Geheimdienstes SBU. Der angebliche Mord sei eine über Monate vorbereitete Aktion gewesen, um Anschlagspläne des russischen Geheimdienstes zu enttarnen, sagte SBU-Chef Wassili Grizak Agenturmeldungen zufolge. Damit ist die auch unten stehende Meldung von Babtschenkos Tod nicht mehr aktuell. Mehr dazu hier.

Russland hat eine Verwicklung in den gewaltsamen Tod des kremlkritischen Journalisten Arkadi Babtschenko in der Ukraine zurückgewiesen. Vorwürfe dieser Art seien der "Gipfel des Zynismus", sagte der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitrij Peskow, am Mittwoch in Moskau.

Die Ukraine macht Russland für den Mord verantwortlich. Der ukrainische Ministerpräsident Wolodymyr Hrojsman hatte in sozialen Medien geschrieben, er sei überzeugt, dass "Russlands totalitäre Maschinerie" Babtschenko nicht verziehen habe. Auch der Abgeordnete Anton Geraschtschenko, ein Berater des Innenministers, machte auf Facebook Russland verantwortlich. Das "Regime" von Präsident Wladimir Putin nehme diejenigen ins Visier, die nicht gebrochen oder eingeschüchtert werden könnten.

Babtschenko wurde am Dienstag in Kiew erschossen. Unbekannte hätten vor seiner Wohnung im Stadtviertel Dnipro auf den Reporter gefeuert, teilte eine Pressesprecherin der Polizei in Kiew mit. Babtschenkos Frau habe den Notruf verständigt und mitgeteilt, dass sie zu Hause ihren Ehemann blutüberströmt vorgefunden habe. Er sei seinen Verletzungen im Rücken erlegen. Die Hintergründe seines Todes sind unklar.

Babtschenko, 41, hatte Russland Anfang 2017 verlassen, weil sich Drohungen gegen ihn und seine Familie häuften. In Kiew arbeitete er unter anderem als Moderator für den krimtatarischen TV-Sender ATR. "Arkadi ist im Krankenwagen gestorben", teilte der Sender auf Facebook mit.

In der ukrainischen Hauptstadt ist es der dritte aufsehenerregende Mord an einem Journalisten in vier Jahren. 2016 tötete eine Autobombe den russischen Journalisten Pawel Scheremet, ebenfalls einen Kritiker der Moskauer Führung. 2015 wurde der ukrainische Journalist Oleg Busina ermordet. Die Fälle sind ungeklärt. Seit Mitte Mai ist in der Ukraine der Vertreter der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti, Kirill Wyschinski, in Untersuchungshaft.

Babtschenko hatte in den 1990er Jahren als junger russischer Soldat im Tschetschenien-Krieg gedient. Anschließend machte er sich als Journalist einen Namen. Unter anderem berichtete er über die Kriege in der Ostukraine, Tschetschenien und Südossetien. Seine Erlebnisse verarbeitete er in Büchern, die international Beachtung fanden und teils auch ins Deutsche übersetzt wurden - darunter die Titel "Die Farbe des Krieges" und "Ein guter Ort zum Sterben".

© SZ.de/dpa/AFP/fie/lalse/cat

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