Aygül Özkan Hoffnung der Hamburger CDU

"Hamburg ist meine Heimat und hat mir die Chance gegeben, einen erfolgreichen Weg in Politik und Wirtschaft zu gehen", schreibt Aygül Özkan.

(Foto: dpa)
  • Aygül Özkan soll als Spitzenkandidatin der Hamburger CDU die Bürgerschaftswahl 2020 gewinnen.
  • Doch ihre Kandidatur wird überschattet von einer schweren Erkrankung.
  • Özkan wurde bekannt als erste Muslimin, die in Deutschland ein Ministerium führte.
Von Peter Burghardt, Hamburg

Es war keine euphorische Ankündigung der Hamburger CDU am Sonntagnachmittag, natürlich nicht. Das ging nicht mehr. Die Nominierung von Aygül Özkan als Spitzenkandidatin für die Bürgerschaftswahl 2020 hätte ein Coup sein sollen: Man schlage sie vor, weil sie reale Chancen habe, Bürgermeisterin zu werden, sagte der CDU-Landesvorsitzende Roland Heintze. Doch er sprach mit genauso bedrückter Stimme wie sein Fraktionschef André Trepoll neben ihm. Denn Aygül Özkan, die den SPD-Bürgermeister Peter Tschentscher herausfordern soll, ist schwer erkrankt.

Erst Mitte vergangener Woche soll sie die Diagnose erhalten haben. Danach entschloss sich ihre in Hamburg schwächelnde Partei, die schon länger feststehende Entscheidung für Aygül Özkan öffentlich zu machen, obwohl das erst für Anfang September feierlich vorgesehen war. Fürs Erste ist ihre Gesundheit deutlich wichtiger als ihre Bewerbung.

Dies sei "eine besondere Situation", sagte Trepoll. "Wir halten an unserem Vorschlag fest." Man gebe ihr jetzt Zeit und werde die Dinge dann neu bewerten. Er wünsche Aygül Özkan "alles erdenklich Gute, wir drücken ihr die Daumen." Aygül Özkan meldete sich schriftlich: "Hamburg ist meine Heimat und hat mir die Chance gegeben, einen erfolgreichen Weg in Politik und Wirtschaft zu gehen", schreibt sie. "Die tolle Herausforderung, Hamburgs Erste Bürgermeisterin zu werden, kann ich aber im Moment aus persönlichen Gründen leider nicht annehmen."

Als erste Muslimin mit Migrationshintergrund führte Özkan ein Ministerium

Ihre Kandidatur soll ein Befreiungsschlag für die Hamburger CDU werden und eine neue Wende in ihrem Leben. Aygül Özkan kam 1971 in Hamburg zur Welt, ihre Eltern waren aus der Türkei zugewandert. Ihr Vater arbeitete bei der Post und eröffnete eine Schneiderei in Altona. Die Tochter machte Karriere. Sie schloss ein Jurastudium ab, stieg bei Konzernen wie der Telekom auf, ging in die Politik. Sie heiratete einen türkischstämmigen Gynäkologen und zog 2008 als Mutter eines zweisprachigen Sohnes für die CDU in die Hamburger Bürgerschaft ein.

Bundesweit bekannt wurde sie, als Niedersachsens damaliger Ministerpräsident Christian Wulff sie 2010 zur Sozialministerin berief. Als erste Muslimin mit Migrationshintergrund führte sie in Deutschland ein Ministerium, bis 2013. Beim Amtseid hob sie die rechte Hand und schwor: "So wahr mir Gott helfe." Weil sie auch nur an einen Gott oder Allah glaube, erläuterte sie später. Das beruhigte konservative Kreise - andere Sätze verschreckten manche Parteifreunde dagegen erheblich: Christliche Symbole gehörten nicht in staatliche Schulen, sagte Aygül Özkan. Dies sei ein neutraler Ort, auch Kopftücher hätten dort nichts zu suchen. Das mit den Kreuzen missfiel Kollegen, sie ruderte zurück, Mentor Wulff ging auf Halbdistanz. Beim Amtsantritt hatte er sie ein Vorbild für Immigranten genannt. Sie zeige, was man erreichen könne, wenn man fleißig sei und sich integriere.

Von ihrem Beispiel will nun in 18 Monaten auch Hamburgs bisher männerlastige CDU profitieren, damit sich das Debakel von 2015 nicht wiederholt. Seinerzeit bekam die Union an Alster und Elbe blamable 15,9 Prozent. Auch der aktuelle Oppositionsführer Trepoll ahnt, dass er nicht der richtige Mann sein dürfte, um Rot-Grün zu entthronen und SPD-Tschentscher, den stillen Nachfolger von Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Aygül Özkan werden bessere Möglichkeiten zugetraut.

Eine Frau, zwei Kulturen, zielstrebiges Kind von Migranten, Juristin, zuletzt Geschäftsführerin eines Berliner Unternehmens der Deutschen Bank. Das verspricht Aufmerksamkeit und Stimmen in dieser weltoffenen Stadt. Und ist origineller als zum Beispiel die Kampagne hanseatischer Christdemokraten gegen Linksautonome im Schanzenviertel seit dem Desaster G 20. Einige Wahlkampffotos von Aygül Özkan sind offenbar bereits fertig. Nicht nur die CDU hofft, dass sie schnell gesund wird.

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