Autoindustrie:Luxus geht immer

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Autoindustrie: Der Porsche 911 war ein Hingucker auf der Los Angeles Auto Show.

Der Porsche 911 war ein Hingucker auf der Los Angeles Auto Show.

(Foto: Jae C. Hong/AP/dpa)

Eigentlich ist die aktuelle Krise der falsche Zeitpunkt, um an die Börse zu gehen. Es sei denn, man heißt Porsche.

Von Max Hägler

Den Krieg haben sie natürlich auch berücksichtigt bei Porsche. 93 Mal findet sich das Wort Ukraine im Prospekt zum Börsengang, immer im Zusammenhang mit dem russischen Angriff. Auch alle anderen Widrigkeiten der Welt sind fein säuberlich notiert in dem 800-Seiten-Konvolut: die Inflation, die Energiekrise, die fehlenden Computerchips, die Corona-Seuche, die politische Situation in China, steigende Zinsen. Nach Durchsicht ist völlig klar: Es gibt eigentlich keinen schlechteren Zeitpunkt, um ein derart großes Geschäft loszutreten wie dieses: Am 29. September, Donnerstag in einer Woche, wird der Volkswagen-Mutterkonzern 12,5 Prozent seiner Tochtermarke Porsche an der Börse veräußern. Dass sie es durchziehen, trotz allem, zeigt: Die Welt mag ein unangenehmer Ort geworden sein, aber nicht für alle.

Bis zu zehn Milliarden Euro könnten in die Kasse kommen, das meiste davon geht direkt an VW. Der Konzern will damit die Transformation finanzieren, die Umstellung auf elektrische Roboterautos. Aber es geht auch um Gefühle: Die Familienclans Porsche und Piëch investieren bevorzugt, erhalten ein Vetorecht und sind so dem von Ferdinand Porsche begründeten Mythos wieder näher: 1930 hatte der Ingenieur unweit des Stuttgarter Hauptbahnhofes ein Konstruktionsbüro begründet, das zu dieser weltweit bekannten Marke gewachsen ist. Die angestellten Porsche-Manager schließlich träumen davon, nicht mehr Teil des zähen VW-Konzern-Gewirrs zu sein. Vor Augen haben sie den Einzug in den deutschen Leitindex Dax und ein noch schnelleres Wachstum.

Die Zahl der potenziellen Kunden wird größer

Tatsächlich spricht viel dafür, dass der Plan aufgeht. Denn mag die Kauflaune überall sonst eingetrübt sein: Luxus geht immer, das dürfte genauso für die Anteilsscheine eines Luxusautobauers gelten, der über Jahre beständig gewachsen ist und für das erste Halbjahr 2022 mal wieder mehr Umsatz vermeldet, "trotz des militärischen Konfliktes in der Ukraine". Das wiederum liegt vor allem daran, dass die Zahl der potenziellen Kunden stetig größer wird, oder wie Porsche sagt: die HNWIs.

Die HNWIs, die High-Net-Worth Individuals, sind jene Menschen, die mehr als eine Million Dollar im Jahr zur Verfügung haben. Eine Zahl, die mit normalem Gehalt kaum zu erreichen ist, sondern fast nur durch Finanzgeschäfte und Zinserträge, aber mit der sich viele Krisen abwettern lassen. 43 Millionen HNWIs habe es 2016 gegeben, so der Autobauer, im Jahr 2026 dürften es 106 Millionen sein.

Dieser Blick auf die Reichen deckt sich mit den Ergebnissen der Unternehmensberatung Bain: "Die Luxusgüterbranche hat sich bislang sehr widerstandsfähig gegenüber Krisen gezeigt", sagt Luxusgüterfachfrau Marie-Therese Marek. Im vergangenen Jahr hätten die Menschen weltweit 288 Milliarden Euro für Uhren, Pferde oder Autos ausgegeben. Am Ende dieses Jahres hält sie eine Summe von bis zu 330 Milliarden Euro für wahrscheinlich. Der Krieg und die Inflation hätten sich bislang jedenfalls "kaum" niedergeschlagen beim Luxusgüterabsatz, und die "Sehnsucht nach besonderen Belohnungen" sei groß. Die aktuelle Lieferzeit für einen 911er: 13 Monate, Startpreis 113 000 Euro.

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