Autoindustrie:Mission missglückt

Der Grenzwert, den der "Diesel-Gipfel" erreichen wollte, war der 24.09.

Von Michael Bauchmüller

Tatendrang lässt sich mit wenig so effektiv vorspiegeln als mit einem sogenannten Spitzentreffen. Bei so einem "Gipfel" lassen sich Aktionspläne beschließen oder Arbeitsgruppen benennen, und ehe die dann irgendwas ausrichten, ist genügend Zeit verstrichen. So ähnlich sollte das auch mit dem "Diesel-Gipfel" laufen: Der einzige Grenzwert, den der wirklich erreichen sollte, war der 24. September. Der Tag der Bundestagswahl.

Nun hat die Bundesumweltministerin, selbst Gipfelgast, die Inszenierung zerstört. Ihr Umweltbundesamt hat ausgerechnet, was so mancher Oberbürgermeister längst ahnte: All die Beschlüsse des Spitzentreffens werden sich an den Messstationen entlang deutscher Hauptstraßen kaum auswirken. Weder das ominöse Update der Bordcomputer, noch das als "Umweltprämie" getarnte Rabattprogramm zur Hebung des Neuwagen-Absatzes. Eine wirksame Nachrüstung aber lehnen die Hersteller ab: Beim Schminken der Abgaswerte kannten sie alle Tricks. Saubere Autos sind ihnen zu aufwendig.

Die logische Folge mag auch Hendricks nicht aussprechen. Wenn ihre Behörde recht behält, wird die Stadtluft kaum besser. Dann werden Gerichte von den Kommunen eine Antwort verlangen, die tatsächlich wirkt. Nach Lage der Dinge können das nur Fahrverbote für Millionen Dieselautos sein. Die Wähler sollten sich schon einmal einstellen auf das, was sich die Gewählten nicht zu sagen trauen.

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