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Autoindustrie:Miese Stimmung

Die Branche wird gerade in einen rasanten Umbruch hineingeschleudert. Der Wandel zu Elektromobilität und Carsharing stellt die Autowelt auf den Kopf. Außer Sparprogrammen hat sie noch noch keine richtigen Antworten darauf gefunden.

Die großen Automessen sind seit Jahrzehnten ein ganz guter, wenn auch simpler Indikator für den Zustand der Branche. Je besser die Laune, je mehr Party und je mehr Glamour, desto besser scheint das Geschäft draußen zu laufen. In der nächsten Woche treffen sich die Automanager wie jedes Jahr im Januar im eiskalten Detroit, und nach allem, was man hört, wird es diesmal eine ziemlich traurige Veranstaltung. Die US-Autobauer Ford und General Motors peitschen Sparprogramme durch ihre Werke und wollen Tausende Jobs streichen, die Konjunkturaussichten sind eher mau, in Washington wütet ein US-Präsident gegen den Freihandel im Allgemeinen und deutsche Autobauer im Besonderen - und BMW, Mercedes, Audi und Porsche fahren lieber gar nicht erst nach Detroit. Warum auf eine Party gehen, von der man schon vorher weiß, dass die Stimmung mies ist?

Dazu passt, dass an diesem Donnerstag gleich zwei große Autohersteller mit neuen, schlechten Nachrichten schockten: Ford will nun Tausende Mitarbeiter in Europa entlassen, wohl auch in den deutschen Werken Saarlouis und Köln, und der britische Hersteller Jaguar Land Rover kappt 4500 Stellen.

Ford und Jaguar mögen ihre ganz eigenen, speziellen Probleme in Europa und der Welt haben, und der bevorstehende Brexit mag die Manager dort ganz besonders nervös machen. Eines aber haben alle Hersteller der Branche zurzeit gemeinsam: Sie werden gerade in einen rasanten Umbruch hineingeschleudert, und sie haben außer Sparprogrammen oft noch keine richtigen Antworten darauf. Denn die Ankündigungen dieser Woche sind nichts anderes als der Auftakt - zu einer der größten Umwälzungen in der Geschichte der Autoindustrie.

Ein Umbruch übrigens, der auch die deutschen Autobauer in den kommenden Monaten und Jahren mitreißen wird. Denn auch Hersteller wie Volkswagen, Daimler oder BMW werden nicht darum herumkommen, Fabriken und Mitarbeiter in den nächsten Jahren neu zu sortieren. Es kommt gerade alles zusammen: Da ist der für die Unternehmen sehr kostspielige, aber notwendige Wandel hin zur Elektromobilität. Dieser massive Technologiewechsel führt dazu, dass in den Fabriken und an den vielen Arbeitsplätzen nichts bleibt, wie es war.

Da sind immer mehr Kunden, die längst kein eigenes Auto mehr kaufen und sich Mobilität lieber teilen und spontan buchen wollen. Autohersteller werden ihre Kalkulationen in den kommenden Jahren deshalb völlig neu ausrichten müssen: Umsatz und Gewinn werden nicht mehr ausschließlich durch den Verkauf eines Autos eingefahren, sondern immer mehr durch Dienstleistungen rund um das Auto. Wer sich darauf nicht rechtzeitig einstellt, hat verloren. Schon in den vergangenen Quartalen büßte Ford Millionensummen in Europa ein. Was wird erst passieren, wenn der Wandel voll zuschlägt?

Die große, alte Automesse von Detroit mit ihren schweren Motoren, PS-starken Geländewagen und leicht bekleideten Messehostessen ist zu einem Auslaufmodell geworden. Die Besucher zieht es nun zu der kurz vorher stattfindenden Elektronikmesse CES nach Las Vegas, wo sie sich eher für die IT-Vernetzung eines Autos und autonomes Fahren als für Motoren und ihre Stärke interessieren. Über die Zukunft der Industrie sagt das sehr viel aus.