Autoindustrie Ford streicht Tausende Jobs in Europa

Auch die drei deutschen Standorte dürften von Sparmaßnahmen betroffen sein. Es gehe um eine "signifikante" Stellenzahl, teilt der US-Autobauer mit. Grund sind Absatzprobleme und hohe Verluste.

Von Thomas Fromm

Der US-Autobauer Ford will Tausende Arbeitsplätze in Europa streichen und seine Kosten in den kommenden zwei Jahren massiv senken. Betroffen von den Kürzungen dürften auch die drei deutschen Standorte in Köln, Saarlouis und Aachen sein. Von den mehr als 50 000 Mitarbeitern in Europa arbeiten zurzeit 24 000 in Deutschland.

Wie viele Stellen dem Umbau insgesamt zum Opfer fallen werden und welche Werke betroffen sind, wollte Ford-Europachef Steven Armstrong am Donnerstag vor Journalisten nicht sagen. Er wolle "keine spezifischen Zahlen für einzelne Standorte" nennen, sagte der Manager. Dazu befinde man sich derzeit in Gesprächen mit den zuständigen Arbeitnehmervertretern am Ort. Bis Mitte des Jahres sollen Entscheidungen gefallen sein. Nur so viel: Es werde eine "signifikante Anzahl" von Arbeitsplätzen wegfallen. Als ausgeschlossen gilt derzeit allerdings nichts - nicht einmal die Schließung kompletter Autowerke. Dass der zweitgrößte US-Hersteller davor nicht zurückschreckt, hatte er vor vier Jahren gezeigt: Damals wurde eine Ford-Fabrik im belgischen Genk trotz heftiger Proteste geschlossen und Tausende Arbeiter verloren ihre Arbeit. "Wir haben schon einige harte Entscheidungen getroffen und wir werden noch einige harte Entscheidungen treffen", sagte Ford-Manager Armstrong.

Zu den Gründen für die Pläne gehört die Sorge vor einem unkontrollierten Brexit. Dieses Szenario schreckt auch andere Hersteller. So gab Jaguar Land Rover zeitgleich zu Ford den Abbau von 4500 Stellen bekannt. Dazu kommt die sinkende Nachfrage. Ford verzeichnet seit Monaten hohe Millionenverluste in Europa, vor allem das Geschäft mit klassischen Pkw schwächelt. In den USA konzentriert sich der Konzern daher immer mehr auf sportliche Geländewagen und Pick-ups. Schon Ende 2018 hatte Ford die Schließung eines Getriebewerkes in Bordeaux in Frankreich angekündigt. Auch über Einschnitte in Saarlouis, dem zweitgrößten deutschen Standort, wird seitdem spekuliert. Dort, wo noch mehr als 6000 Menschen arbeiten, soll im Sommer die Produktion des Vans C-Max wegen der sinkenden Nachfrage eingestellt werden. Auch das Kölner Zentralwerk mit 18 000 Mitarbeitern dürfte von den Sparplänen betroffen sein.

Die Strategie hinter den Abbauplänen: Ford will Millionen einsparen und gleichzeitig seine Modellpalette komplett umbauen. Das Geld soll in Modelle wie SUVs und neue elektrische Fahrzeuge investiert werden, um die CO₂-Auflagen der EU-Kommission zu erfüllen. Helfen könnte dabei auch eine geplante weltweite Kooperation mit Volkswagen bei Transportern und Pick-ups, deren Details möglicherweise schon bei der Automesse in Detroit in der nächsten Woche verkündet werden. Eine Kooperation, die Ford vor allem in Europa wohl dringend braucht, um seine Kosten zu senken. Für den Fall, dass am Ende alles nichts hilft, rechnen Experten auch mit einer radikalen Lösung: "Ich würde zum jetzigen Zeitpunkt nicht einmal ausschließen, dass sich Ford komplett aus Europa zurückzieht", sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.