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Autoindustrie:Bremsspuren

Die Politik plant ein Hilfsprogramm für die kriselnde Branche. Klimaschutz? Offenbar nicht so wichtig.

Wie groß ist in der Bundesregierung die Angst um Deutschlands wichtigste Branche? Die Ergebnisse des Koalitionsgipfels beim Thema Autoindustrie sprechen Bände. Union und SPD vereinbarten am Donnerstag eine "Konzertierte Aktion Mobilität". Was nach Arbeitskreis klingt, dürfte sich zum nächsten Hilfsprogramm für den Strukturwandel einer ganzen Industrie auswachsen. Denn immer klarer zeichnet sich ab, welche Folgen der Wandel der Mobilität für Hunderttausende Jobs im Land hat.

Für die Autohersteller war die Bedrohungslage noch nie so ernst: Mögliche Strafzölle, ein drohender Wirtschaftsabschwung und die Unsicherheit durch den Brexit treffen auf den größten technischen Umbruch in der Branchengeschichte. Der Antrieb wandelt sich, die Digitalisierung schafft neue Geschäftsmodelle. Für den Bau von klimafreundlicheren Elektroautos braucht die Industrie viel weniger Personal als für den Diesel. Dass die Regierung - trotz des Ärgers über den arroganten Umgang mit dem Abgasskandal und der zögerlichen Entwicklung der Elektromobilität - der Branche helfen will, ist der Angst um 800 000 Jobs geschuldet.

Gefahr droht damit nun aber den deutschen Klimazielen. Da hat der Verkehrssektor großen Nachholbedarf. Die Koalition streitet jedoch längst darüber, wie viel Klimaschutz den Herstellern nun noch zuzumuten ist. Die bislang ehrgeizigen Pläne für das kommende Jahrzehnt könnten unter die Räder kommen.