Autobombe 13 Tote und 149 Verletzte in Jakarta

Bei der Explosion wurden die Lobby und das Restaurant eines Luxushotels in der indonesischen Hauptstadt verwüstet. Die Hintergründe des Anschlags waren zunächst unklar. In dem Hotel finden regelmäßig Empfänge der US-Botschaft statt.

Es handelt sich um den schwersten Anschlag in dem Land seit dem Attentat von Bali vor knapp zehn Monaten.

Das Marriott-Hotel in Jakarta nach der Explosion der Autobombe.

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Die Täter hätten bei dem Anschlag auf das Marriott-Hotel ähnlich hochentwickelte Sprengsätze wie bei der Bluttat auf Bali verwendet, sagte Polizeichef General Da'i Bachtiar. Nach seinen Worten starben auch Ausländer, darunter ein Niederländer.

"Terroristischer Akt"

Der indonesische Sicherheitsminister Susilo Bambang Yudhoyono sprach von einem "terroristischen Akt". Vizepräsident Hamzah Haz äußerste die Vermutung, der Anschlag auf das Marriott-Hotel könne gegen amerikanische Interessen in Indonesien gerichtet gewesen sein.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Für den Anschlag auf Bali hatten die indonesischen Behörden die radikale Islamistengruppe Jemaah Islamiyah verantwortlich gemacht.

Nach Angaben Bachtiars war der Sprengstoff möglicherweise in einem Kleintransporter vor dem Hoteleingang deponiert gewesen. Augenzeugen berichteten, sie hätten mindestens sechs Detonationen gehört. "Ich hörte einige schwere Explosionen, dann verlor ich den Kontakt zu meinen Brüdern im Hotel", sagte ein Mann, der vor dem Gebäude stand.

Unmittelbar nach den Explosionen bot sich ein Bild völliger Verwüstung, zahlreiche Menschen flohen in Panik. Die Sprengsätze rissen einen Krater von rund zwei Meter Durchmesser in den Asphalt. Die Fassade des Hotels war rußgeschwärzt, bis in die oberen Stockwerke waren die Fensterscheiben geborsten.

Vor allem die Lobby und das Restaurant im Erdgeschoss des Hotels wurden zerstört. Mehrere Fahrzeuge vor dem Eingang fingen Feuer, insgesamt wurden mindestens 22 Autos vor dem Hoteleingang durch die Wucht der Bomben beschädigt. Auch an Nachbargebäuden entstand größerer Sachschaden.

Möglicherweise ein Selbstmordattentat

Der Gouverneur von Jakarta sagte im Rundfunk, möglicherweise seien die Sprengsätze von einem Selbstmordattentäter gezündet worden. Beweise dafür hatte er aber zunächst nicht. Nach ersten Ermittlungen der Polizei wurde ein hochexplosiver Sprengstoff verwendet, der in einem Umkreis von 200 Metern Schäden anrichtete.

Das Marriott-Hotel gilt als der bevorzugte Ort für Empfänge der US-Botschaft in Jakarta. Am Dienstag sei aber keine Veranstaltung der amerikanischen Vertretung geplant gewesen, hieß es. Auch ist das Hotel beliebter Treffpunkt internationaler Geschäftsleute sowie ranghoher indonesischer Politiker und Militärs.

Keine Erkenntnisse über deutsche Opfer

Das Auswärtige Amt in Berlin hatte zunächst keine Erkenntnisse über Deutsche unter den Opfern. Die Deutsche Botschaft in Jakarta sei eingeschaltet worden und stehe in Kontakt mit den indonesischen Behörden, sagte ein Sprecher.

Bundesaußenminister Joschka Fischer äußerte sich entsetzt über den Anschlag und sprach der indonesischen Regierung und der Bevölkerung sein Beileid aus. "Dieses verbrecherische Attentat, das so viele Todesopfer und Verletzte gefordert hat, erfüllt uns mit Abscheu und Trauer", schrieb Fischer an den indonesischen Außenminister Hassan Wirayuda.

Neben Deutschland verurteilten zahlreiche andere Länder das Attentat. Der Anschlag erfordere "mehr denn je die Mobilisierung der internationalen Gemeinschaft im Kampf gegen den Terrorismus", sagte in Paris ein Sprecher des französischen Außenministeriums. Auch die philippinische Regierung wandte sich scharf gegen die Tat.

Erst vor knapp drei Wochen war das indonesische Parlament von einer Bombenexplosion erschüttert worden, im Februar das Polizeihauptquartier in Jakarta. Ende April waren im Abstand von nur drei Tagen zuerst die Vertretung der Vereinten Nationen in der indonesischen Hauptstadt und anschließend der Flughafen Ziel von kleineren Sprengstoffanschlägen geworden.

Die Behörden hatten entweder die Islamistengruppe Jemaah Islamiyah oder Rebellen aus der westlichen Unruheprovinz Aceh als Urheber vermutet.

Am Donnerstag soll das erste Urteil in den Prozessen um den Bombenanschlag von Bali verkündet werden. Dabei waren am 12. Oktober 2002 mindestens 202 Menschen getötet worden waren. Die meisten der Opfer waren ausländische Touristen, darunter auch sechs Deutsche.

(sueddeutsche.de/dpa)