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Auswertung der Snowden-Dokumente:Drei ordentliche Quellen mit Bergen von Material

Greenwald und Poitras verlassen dann Hongkong mit unterschiedlichem Material. Das von Greenwald ist mehr Stoff mit Blick auf die Amerikaner, das von Poitras mehr für die Europäer von Interesse. Poitras und Greenwald, die zu Hauptfiguren der Geschichte werden, erklären später, sie hätten Hongkong unter anderem deshalb verlassen, weil andere Presseleute aufgetaucht seien. Eine Rolle könnte aber auch gespielt haben, dass die Filmerin und der Blogger Amerikaner sind und fürchten mussten, in einem etwaigen Verfahren gegen Snowden wegen Beihilfe dranzukommen. MacAskill, der Verstärkung durch Kollegen bekam, blieb länger. Ihn interessierte die NSA, aber auch britische Angelegenheiten. Er erhielt deshalb das Material über die Aktivitäten des britischen Geheimdienstes Government Communications Headquarter (GCHQ) und die Kooperation dieses Geheimdienstes mit der NSA.

Drei ordentliche Quellen mit Bergen von Material. Mit Geheimdienst hat das nichts zu tun. Poitras, eine in der Branche hochanerkannte Dokumentarfilmerin, flog mit dem Stoff nach Berlin und tauchte bald als Mitarbeiterin bei Spiegel-Geschichten über den Snowden-Fall auf. Greenwald flog zurück nach Rio, arbeitete mit unterschiedlichen Medien zusammen und gab reichlich Interviews.

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NSA-Affäre

Treffen mit Edward Snowden, Teil 3

SZ-Mitarbeiter John Goetz war dabei, als Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele in Moskau den NSA-Whistleblower Edward Snowden traf. Süddeutsche.de doku

Der Guardian, derzeit wohl das beste investigative Blatt auf dem Globus, arbeitete mit großer Mannschaft an Geschichten über die NSA, aber natürlich auch über den heimischen GCHQ. Das Blatt steht wegen der besonders rigiden britischen Gesetze unter enormem Druck und kämpft tapfer für Aufklärung.

Bei keiner Entwicklung der Affäre ist die Handschrift eines Geheimdienstes zu erkennen

Verwalter des Materials waren also nicht Geheimdienstler, sondern Journalisten. Auch das Portal Wikileaks, das Snowden unterstützt, bekam kein Material zur eigenen Verwendung. Es bildeten sich in den vergangenen Monaten immer wieder neue Allianzen. Chefredakteure und Chefredakteurinnen großer Blätter reisten bei mutmaßlichen Verwaltern an, um auch Teile des Snowden-Materials zu bekommen. Es gibt ein hartes journalistisches Wettrennen; es geht um Kompetenz und Nicht-Kompetenz. Aber bei keiner Geschichte, keiner Entwicklung der Affäre ist die Handschrift eines Geheimdienstes zu erkennen.

In der Theorie, zugegeben, könnten die Enthüllungen über die belauschten Staatschefs einschließlich der Kanzlerin solche Spekulationen zulassen. In Erinnerung ist beispielsweise die Abteilung X der omnipotenten Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) der DDR, die über "Lancierungskanäle" mit zum Teil verfälschten Mitschnitten von Telefongesprächen in Westdeutschland Affären inszeniert hat. Das ist lange her.

Klar: Die Amerikaner wüssten gern, was Snowden alles beiseitegeschafft hat, und die Russen auch. Aber sie wissen es vermutlich nicht. Die Sortierung des Materials über die abgehörten Regierungschefs verlief ohne Geheimdienstler.

Natürlich reizt eine Figur wie Snowden zu Spekulationen. Er sei Buddhist, Veganer, esse nie Fleisch, so steht es in einigen Porträts. Beim Besuch der deutschen Gruppe in Moskau aß er ein Steak - und niemand hat ihn dazu gezwungen.

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NSA-Affäre

Treffen mit Edward Snowden, Teil 4

SZ-Mitarbeiter John Goetz war dabei, als Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele in Moskau den NSA-Whistleblower Edward Snowden traf.