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Auswärtiges Amt:Polen akzeptiert Berlins Botschafter

Polen akzeptiert deutschen Botschafter nach langer Wartezeit

Arndt Freytag von Loringhoven war von 2014 bis 2016 Botschafter in Prag.

(Foto: Kamaryt Michal/dpa)

Die Regierung in Warschau ließ auf das Agrément drei Monate warten. Angela Merkel hatte nun interveniert.

Von Daniel Brössler, Berlin

Polen und Deutschland haben einen unter EU-Partnern ungewöhnlichen diplomatischen Konflikt beigelegt. Nach einer dreimonatigen Hängepartie stimmte die polnische Regierung dem Amtsantritt des designierten deutschen Botschafters Arndt Freytag von Loringhoven zu. Das bestätigte Polens Vize-Außenminister Szymon Szynkowski vel Sęk der Agentur PAP. Vergangene Woche hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki telefoniert. Am Freitag hatte auch Bundesaußenminister Heiko Maas mit seinem polnischen Kollegen Zbigniew Rau über das Thema gesprochen.

Die Verzögerung passte zu den scharfen Tönen im Wahlkampf

Ursprünglich hatte Freytag von Loringhoven seinen Posten antreten sollen, nachdem der bisherige Botschafter Rolf Nikel Ende Juni in den Ruhestand gegangen war. In polnischen Medien war über Vorbehalte wegen des familiären Hintergrunds des 63-Jährigen spekuliert worden. Sein Vater Bernd Freytag von Loringhoven, ein späterer Bundeswehr-Offizier, hatte als Adjudant im letzten Kriegsjahr die Lagebesprechungen im Führerbunker vorbereitet. Zur Familie gehörte in Wessel Freytag von Loringhoven allerdings auch ein Angehöriger des militärischen Widerstands, der am Anschlag auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt gewesen war. Die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs blieben "eine riesige nicht verheilte Wunde im polnischen Bewusstsein", sagte Szynkowski vel Sęk. Bei einem Besuch des polnischen Pilecki-Instiutes in Berlin habe Freytag von Loringhoven unterstrichen, dass Deutschland zu seiner historischen Verantwortung stehe, twitterte der Europa-Beauftragte im Auswärtigen Amt, Andreas Peschke.

Das lange Warten auf das sogenannte Agrément für Freytag von Loringhoven war auch in Zusammenhang mit scharfen Tönen gegenüber Deutschland im Präsidentschaftswahlkampf im Sommer gebracht worden. Präsident Andrzej Duda hatte sich über eine "Attacke" und angeblich parteiische Berichterstattung deutscher Medien beschwert.

Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Jürgen Hardt, begrüßte die Warschauer Entscheidung, nannte sie aber auch "überfällig". "In unserem Verhältnis brauchen wir keine politischen Scharmützel", sagte er. Freytag von Loringhoven sei "ein erfahrener Diplomat, der sich zeitlebens für eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Polen eingesetzt hat". Der Diplomat war zuletzt Geheimdienstkoordinator bei der Nato und davor deutscher Botschafter in Prag gewesen.

© SZ vom 02.09.2020

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