Auswärtiger Dienst Merkels Mann in Moskau

Der Diplomat Géza Andreas von Geyr arbeitete im Kanzleramt und als Vizechef des Bundesnachrichtendienstes und ist derzeit Ministerialdirektor im Verteidigungsministerium.

(Foto: Sgt. Amanda Moncada)

Ein Spitzenbeamter aus dem Verteidigungsministerium soll die deutsche Botschaft in Russland leiten - in spannungsreicher Zeit.

Von Daniel Brössler, Berlin

Der Mann ist ihr auf den Fersen, seit einigen Jahren schon. Wo immer Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sich auf internationalem Parkett bewegt, ist ein höflicher, gut gekleideter und für gewöhnlich leise sprechender Herr nicht weit. Géza Andreas von Geyr, Leiter der Politischen Abteilung im Verteidigungsministerium, ist stets zur Stelle, wenn Einzelheiten der "Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit" in der Europäischen Union zu klären sind oder Dinge wie das "Rahmennationenkonzept" der Nato. Nach Lage der Dinge allerdings wird das nicht mehr lange so sein. Demnächst wird die Stelle des deutschen Botschafters in Moskau frei und nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ist Geyr der Mann, der sie besetzen soll.

Über die Top-Posten an den wichtigsten Auslandsvertretungen kann Außenminister Heiko Maas (SPD) nicht frei entscheiden, sie sind Verhandlungssache mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen, aber im Kanzleramt hat man sich inzwischen festgelegt auf Geyr, dessen Laufbahn eng mit der CDU verbunden ist. Mehrere Jahre arbeitete der Diplomat für die Unionsfraktion im Bundestag, eine Zeit lang dann auch im Kanzleramt. Nach vier Jahren als Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes holte ihn von der Leyen 2014 ins Verteidigungsministerium.

Traditionell geht es bei der umkämpften Besetzung der wichtigsten Botschafterposten um eine Mischung aus Kompetenz und Proporz. So gehen die derzeitigen Top-Posten in New York und Washington auf Merkels Konto. Der langjährige außenpolitische Berater der Kanzlerin, Christoph Heusgen, ist seit 2017 deutscher Vertreter bei den Vereinten Nationen und die frühere Staatssekretärin von Thomas de Maizière im Innenministerium, Emily Haber, ist seit 2018 Botschafterin in den USA. Haber genießt höchstes Ansehen bei ihren Diplomatenkollegen, aber eben auch bei Merkel. So war für Maas umso wichtiger, dass die Stelle des Botschafters bei der EU jüngst nicht an Merkels einstigen europapolitischen Berater und derzeitigen Paris-Botschafter Nikolaus Meyer-Landrut ging, sondern an den Ex-Botschafter in Peking, Michael Clauß.

Um Moskau allerdings scheint es gar keinen Kampf zu geben. Das ist bemerkenswert, denn die Vertretung in der russischen Hauptstadt ist die größte des Auswärtigen Dienstes und zumindest historisch eine der prestigeträchtigsten. Mit der Wiederkehr der Eiszeit in den Beziehungen seit dem gewaltsamen russischen Eingreifen in der Ukraine und der Annexion der Krim aber hat Moskau für deutsche Spitzendiplomaten offenbar an Attraktivität eingebüßt. Nach SZ-Informationen gab es aus dem Auswärtigen Amt selbst keine Bewerbungen für die Nachfolge des in Ruhestand wechselnden Botschafters Rüdiger von Fritsch. So soll etwa auch der jetzige deutsche Botschafter bei der Nato, Hans-Dieter Lucas, abgewinkt haben. Lucas ist Russland-Fachmann und erlebte das Ende der Sowjetunion als junger Diplomat in Moskau. Ähnliches gilt für den früheren deutschen Botschafter in Prag, Arndt Freytag von Loringhoven. Ihm wird zwar Interesse nachgesagt, von seinem Posten als Geheimdienst-Koordinator der Nato aus gelten seine Chancen aber als eher gering.

In seinem jetzigen Job im Verteidigungsministerium muss sich Botschafter-Favorit Geyr zwar intensiv mit der jüngsten russischen Aufrüstung und Außenpolitik beschäftigen, über spezielle Russland-Erfahrung verfügt er allerdings nicht. Im Auswärtigen Amt dürfte ihm das einige Skepsis einbringen, zumal Moskau als besonders schwieriges Pflaster gilt. "Russischkenntnisse", sagt ein Diplomat, "wären hilfreich."