Vertretung im Parlament:Australien plant Referendum zur Anerkennung der Ureinwohner

Vertretung im Parlament: Der australische Premier Anthony Albanese spricht umgeben von Mitgliedern der Arbeitsgruppe First Nations über die historische Volksabstimmung.

Der australische Premier Anthony Albanese spricht umgeben von Mitgliedern der Arbeitsgruppe First Nations über die historische Volksabstimmung.

(Foto: Lukas Coch/dpa)

Mit einer Verfassungsänderung soll die indigene Bevölkerung nach Hunderten Jahren Diskriminierung eine Stimme im Parlament erhalten. "Viele haben lange auf diesen Moment gewartet", sagt Premier Albanese bei einer emotionalen Pressekonferenz.

Nicht nur die indigenen Vertreter hatten Tränen in den Augen, auch Premier Antony Albanese war sichtlich bewegt: Noch in diesem Jahr soll es in Australien ein historisches Referendum geben, das der indigenen Bevölkerung die Anerkennung in der Verfassung und erstmals eine eigene Stimme im Parlament geben soll. "Wenn nicht jetzt, wann dann?", sagte Albanese während einer emotionalen Pressekonferenz, bei der er Details zur Volksabstimmung bekannt gab. Der australische Premier sprach von einer längst überfälligen Entscheidung und forderte seine Landsleute zur Unterstützung auf.

Die Australier sollen nun zwischen Oktober und Dezember über eine Verfassungsänderung abstimmen, damit die Aborigines und Insulaner der Torres-Straße als Ureinwohner anerkannt werden. Zudem sollen sie künftig einen eigenen Berater-Ausschuss für ein gesondertes Mitspracherecht im Parlament erhalten. Dieser Ausschuss "Aboriginal and Torres Strait Islander Voice" soll das Parlament in Angelegenheiten, die die Ureinwohner betreffen, unverbindlich beraten.

Mehrheit der Australier für Referendum

"Viele haben lange auf diesen Moment gewartet", sagte Albanese merklich bewegt, während der im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz an der Seite führender indigener Vertreter. Doch dank viel Geduld und großem Optimismus sowie respektvoller Zusammenarbeit sei man geeint zum Ziel gekommen. Die Regierung will den Gesetzentwurf kommende Woche einbringen und hofft, ihn bis Ende Juni im Parlament zu verabschieden.

Jede Änderung der australischen Verfassung erfordert ein nationales Referendum. Eine Umfrage ergab kürzlich, dass die Unterstützung in der Bevölkerung für das Referendum zwar etwas zurückgegangen ist, es mit 59 Prozent aber immer noch eine Mehrheit gibt. Albanese hatte nach seinem Wahlsieg mit seiner sozialdemokratischen Labor-Partei im Mai 2022 versprochen, eine Anerkennung der indigenen Ureinwohner in der Verfassung anzustreben und eine parlamentarische Vertretung für sie zu schaffen.

Die Aborigines und Torres Strait Islander, die nur etwa 3,2 Prozent der australischen Bevölkerung von rund 26 Millionen Einwohnern ausmachen, sind derzeit parlamentarisch nicht vertreten. Unter der britischen Kolonialherrschaft wurden sie an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Sie werden in der 122 Jahre alten Verfassung Australiens nicht erwähnt und erhielten erst in den 1960er Jahren das Wahlrecht.

Die durchschnittliche Lebenserwartung der wirtschaftlich schwächsten Bevölkerungsgruppe Australiens liegt rund 17 Jahre unter der der übrigen Australier. Alkohol- und Drogenmissbrauch ist häufiger wie auch häusliche Gewalt und der Anteil der Bevölkerung in Haft. 2008 bat die Regierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Kevin Rudd um Entschuldigung für die unwürdige Behandlung über viele Jahre.

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