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Neuseeland:Die coronafreie Blase am anderen Ende der Welt

NZ TRAVEL BUBBLE WELLINGTON ARRIVALS, Families and loved ones embrace after landing on the first Air New Zealand flight

"Trans-tasmanische Blase": Weil auch Australien die Pandemie im Griff hat, durfte nun wieder ein Flugzeug von dort in Wellington landen.

(Foto: Ben McKay/imago images/AAP)

Erstmals seit einem Jahr lässt Neuseeland wieder Touristen ohne Quarantäne einreisen - allerdings nur, wenn sie aus Australien kommen. Denn beide Länder haben die Pandemie erfolgreich bekämpft.

Von Jan Bielicki

Flug JQ201 hob mit einer Stunde Verspätung um genau 7.17 Uhr Ortszeit von Sydneys Flughafen Kingsford Smith ab. Die Passagiere an Bord des Fliegers der australischen Billiglinie Jetstar konnten sich trotzdem freuen. Denn als sie gut drei Stunden später in der neuseeländischen Metropole Auckland wieder ausstiegen, durften sie durch eine eigens eingerichtete "grüne Zone" von der Gepäckausgabe direkt zu den Taxis eilen - ohne für 14 Tage in ein Quarantäne-Hotel eingewiesen zu werden.

Sie waren die ersten internationalen Reisenden, die nach Neuseeland kommen durften, ohne sich isolieren zu müssen, seit Premierministerin Jacinda Ardern vor gut einem Jahr die Grenzen des Inselstaates dichtmachte, um das Coronavirus draußen zu halten. Und sie waren nicht allein. Etwa drei Dutzend Passagierjets starteten an diesem Montag in australischen Städten zum Flug über die Tasmansee ins kleinere Nachbarland.

Aufgehoben ist Neuseelands Quarantäne-Pflicht nun allerdings nur für Reisende, die aus Australien kommen - und mindestens 14 Tage dort waren. Da in umgekehrter Richtung Reisende aus Neuseeland schon seit einem halben Jahr nach Australien dürfen, ohne die für Ankömmlinge sonst auch dort verpflichtende Quarantäne durchlaufen zu müssen, bilden beide Nachbarstaaten nun eine Art Reise-Blase, innerhalb derer die sonst sehr strikten Corona-Einreisebeschränkungen nicht gelten.

Das ist die Konsequenz aus den Erfolgen der Pandemie-Politik in beiden Ländern. Neuseeland, weltweit als Musterland der Corona-Bekämpfung gepriesen, hat seit Ausbruch der Seuche überhaupt nur rund 2600 Fälle zu verzeichnen und 26 Covid-Tote zu beklagen. In Australien war die Seuche zwar während des Südhalbkugel-Winters vor allem in der kühleren Vier-Millionen-Stadt-Melbourne vorübergehend außer Kontrolle geraten. Doch auch hier verlief sie im internationalen Vergleich glimpflich: Insgesamt 30 000 Menschen haben sich bisher in Australien infiziert, 910 sind an Covid gestorben. Das waren in einem ganzen Jahr also nur halb so viele Corona-Tote wie in Deutschland am 19. Januar 2021, dem hier bisher schwärzesten Seuchentag, in nur 24 Stunden registriert wurden.

Strenge Lockdowns, harte Abschottung. Dabei hilft die Insellage

Als Grund dieses Erfolgs gelten zwei Maßnahmen: eine strenge Abschottung nach außen sowie strenge und vor allem schnelle Lockdowns. Beiden Ländern kommt zugute, dass sie vom Meer umspült sind. Menschen kommen nur über Häfen und Flughäfen ins Land. Das erlaubt eine strenge Kontrolle der Einreisenden, wie sie in Deutschland mit seinen Zehntausenden Berufspendlern und Lastwagen, die täglich die Grenzen passieren, gar nicht möglich wäre.

Neuseeland wie Australien haben vor einem Jahr schnell ihre Grenzen geschlossen. Einreisen waren nur den eigenen Bewohnern erlaubt. Und so gut wie alle mussten für 14 Tage in Quarantäne in streng bewachte Hotels oder aufgelassene Kasernen im abgeschiedenen Outback, bevor sie wirklich ins Land gelassen wurden. Auf Ausbrüche außerhalb der abgeschotteten Quarantäne-Unterkünfte reagierten die Behörden mit strengen Lockdowns samt Maskenpflicht und Schließung aller nicht lebensnotwendigen Geschäfte.

Und sie reagierten schnell. In Westaustralien genügte dem dortigen Premier Mark McGowan Ende Januar ein einziger Covid-Fall, um die Zwei-Millionen-Stadt Perth für fünf Tage in den Lockdown zu schicken. Den Wählern gefiel die Strenge: Bei den Landtagswahlen zwei Wochen später errang McGowans Labor Party 53 von 59 Sitzen, den höchsten Wahlsieg in Australiens Geschichte. Auch in den anderen Bundesstaaten widersetzten sich die Landeschefs dem Drängen der liberalkonservativen Bundesregierung, voreilig zu lockern. Der Erfolg: Heute drängeln sich die Australier längst wieder maskenlos in Restaurants, Pubs und Geschäften - und das, obwohl das Impfprogramm im Vergleich zu Deutschland nur langsam vorankommt und weit hinter den Zielen der Bundesregierung zurückliegt.

© SZ/bac/sbeh
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