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Australien:Flüchtlinge misshandelt

Protestaktion von Greenpeace in Sidney.

(Foto: Peter Parks/AFP)

Dass Australien nicht gerade freundlich zu Flüchtlingen ist, war bekannt. Eine Zeitung legt nun Berichte darüber vor, was sich in den Lagern offenbar tausendfach zugetragen hat.

In einem australischen Lager auf der Pazifikinsel Nauru soll es massenhaft Fälle von Missbrauch der dort internierten Flüchtlinge gegeben haben. Der Guardian Australia veröffentlichte am Mittwoch im Internet Auszüge von mehr als 2100 Berichten, die das Personal auf Nauru angefertigt hat über Vorfälle auf dem Gelände. Dabei handelt es sich der britischen Zeitung zufolge um interne Dokumente aus der Zeit von Mai 2013 bis Oktober 2015, die an sie weitergegeben worden seien. In mehr als der Hälfte gehe es um Gewalt gegen Kinder - darunter sieben Fälle sexuellen Missbrauchs, 59 körperliche Angriffe und 30 Fälle von Selbstverletzungen. Es ist etwa von einer Aufseherin zu lesen, die einem kleinen Mädchen mit der Taschenlampe in den Intimbereich geleuchtet haben soll. In den Dokumenten ist die Rede von einem Jungen, dem Wärter mit dem Tod drohten und von einer jungen Frau, die für eine längere Dusche sexuelle Dienste erbringen sollte. Amnesty International und andere Menschenrechtsorganisationen kritisierten die Behandlung der Flüchtlinge scharf (). Amnesty hatte schon mehrmals die Zustände in den Lagern kritisiert und forderte erneut ein Ende der australischen Internierungspolitik. Alle Flüchtlinge und Asylsuchenden auf den Inseln müssten "sofort umgesiedelt" werden. Australiens Premier Malcolm Turnbull sagte, seine Regierung werde die Dokumente sorgfältig prüfen. Die Berichte stammen laut Guardian von Wachleuten, Sozialarbeitern und Lehrern des Lagers. Australien ist für seine kompromisslose Asylpolitik bekannt. Es unterhält auf Nauru und in Papua-Neuguinea Lager für Asylsuchende, die auf dem Meer abgefangen wurden. Auch wenn ihr Asylantrag angenommen wird, müssen die Flüchtlinge auf Nauru bleiben.

© SZ vom 11.08.2016 / SZ
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