Süddeutsche Zeitung

Ausstieg bei "Breitbart":Bannons Absturz ist der Triumph des Establishments

Lesezeit: 3 min

Von Beate Wild, Austin

Es gibt einen strahlenden Gewinner nach dem Showdown zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Ex-Berater Steve Bannon, der sich wegen des Skandalbuchs "Fire and Fury" des Journalisten Michael Wolff fast eine Woche in aller Öffentlichkeit entfaltete. Und es ist: Mitch McConnell, republikanischer Mehrheitsführer im Senat.

Am Dienstagnachmittag trat Bannon als Chef der ultrarechten Nachrichtenseite Breitbart News zurück. Es ist auch der Höhepunkt eines erbitterten Machtkampfs um die Ausrichtung der Republikanischen Partei - und das vorläufige politische Ende von Bannon, dem rechten Berserker, der die Trump-Präsidentschaft in den ersten Monaten stark geprägt hat.

McConnell, so stachen Insider den Washingtoner Journalisten genüsslich durch, feiert mit seinen Verbündeten im Kongress den Absturz Bannons als Sieg. Bereits in der vergangenen Woche, als die Differenzen zwischen Trump und seinem ehemaligen Chef-Berater in den Medien hochkochten, twitterte McConnells Team auf dessen offiziellem Twitter-Account ein animiertes Gif-Bildchen, auf dem er schadenfreudig grinst. Die Nachrichtenseite Politico titelte: "McConnell tanzt auf Bannons Grab". Mit Bannons Rücktritt als Breitbart-Chef ist McConnells Triumph in dieser Machtfrage nun perfekt.

Hoffnung auf eine neue Einigkeit bei den Republikanern

McConnells Zirkel glaubt, dass die Partei ohne Bannon zumindest vorläufig ihre Spaltung überwinden und zu neuer Einigkeit zurückfinden kann. Dafür gibt es gute Gründe: Ohne den ultrarechten Scharfmacher wird es für die Mainstream-Republikaner leichter, eine gemäßigt konservative Agenda zu verfolgen.

Womöglich bleiben den im Herbst zur Wahl stehenden republikanischen Senatoren kostspielige Vorwahl-Schlammschlachten erspart. Bannon hatte angekündigt, in den parteiinternen Vorwahlen eigene Kandidaten ins Rennen zu schicken und McConnell zum Sündenbock, einem Verräter am Trumpismus, zu machen.

Das Szenario hätte womöglich der Senatsnachwahl in Alabama vor wenigen Wochen geähnelt: Der von Bannon unterstützte und höchst umstrittene Richter Roy Moore hatte zunächst die Republikaner-Vorwahl gegen McConnells Favoriten gewonnen, um dann überraschend gegen den demokratischen Kandidaten Doug Jones zu verlieren - er war selbst den konservativen Wählern nicht geheuer.

Schon nach Bannons Rauswurf aus dem Weißen Haus sei es für Abgeordnete und Senatoren leichter geworden, ihre Arbeit zu machen, sagte Josh Holmes, ein Mitarbeiter von McConnell. Trotzdem habe Bannon von außen stets noch versucht, mitzumischen. Seine Nachrichtenseite Breitbart News war ihm dafür ein nützliches Werkzeug. Doch damit ist nun Schluss.

Ohne Breitbart fehlt Bannon die Plattform. Und ohne Geldgeber und Verbündete fehlt ihm der finanzielle Einfluss, um mögliche Lieblingskandidaten zu unterstützen. Vor wenigen Tagen kündigte die Milliardärin Rebekah Mercer bereits an, die Zusammenarbeit mit dem beim Präsidenten in Ungnade gefallenen Agitator zu beenden.

Zwar hofft Bannon Vertrauten zufolge darauf, dass ihn Trump noch einmal brauchen wird. Doch ob der nachtragende Präsident ihm die Lästereien vergibt, ist ebenso unklar wie die Frage, ob ihm irgendjemand anderes noch einmal Geld für politische Aktivitäten oder journalistische Projekte geben wird. Selbst Fox News kündigte bereits wenige Stunden nach Bannons Rückzug an, ihn definitiv nicht als Experten einstellen zu wollen.

"Vom höchsten Berggipfel hinunter in das tiefste Tal - und alles davon selbst zugefügt"

Wie es mit dem Super-PAC (Political Action Committee) "The Great America Alliance", eine Allianz von Großspendern, der eine enge Verbindung zu Bannon nachgesagt wird, weitergeht, ist derzeit völlig unklar. Vor wenigen Wochen war bekannt geworden, dass das PAC Werbeclips gegen Sonderermittler Robert Mueller schaltete.

Anlässlich Trumps Amtsantritt hatte Bannon verkündet, die neue Regierung würde sich um "den Abbau des administrativen Staates" kümmern. Dann wurde er selbst im August "abgebaut". Er kehrte umgehend zu Breitbart News zurück und tönte: "Ich habe meine Hände zurück an den Waffen. Ich werde die Opposition zerstören. Kein Zweifel." Doch auch daraus ist bislang nichts geworden.

Am Ende erschien Steve Bannon wie ein Unruhestifter, der es einfach nicht lassen konnte, den klügsten Typen im Raum zu markieren. Durch seine harsche Kritik an der Trump-Familie verscherzte er es sich mit dem mächtigsten Clan der Republikaner, Trump zog "Sloppy Steve" den Stecker. "Vom höchsten Berggipfel hinunter in das tiefste Tal - und alles davon selbst zugefügt", wie es ein republikanischer Stratege in der Washington Post formulierte.Das konservative Establishment, gegen das er so aggressiv zu Felde gezogen war, hat Bannon nun im wichtigen Wahljahr los. Und das beinahe ohne eigenes Zutun.

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