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Krieg in Syrien:Die humanitäre Hilfe für syrische Flüchtlinge bleibt dramatisch unterfinanziert

Für syrische Frauen fehlten damit rechtliche Wege, sich gegen unterdrückende und diskriminierende Gesetze zu wenden. Frauen durften zwar Geschäfte eröffnen, ihr eigenes Geld verdienen, Eigentum besitzen. In der Realität jedoch führten sozialer Druck, mangelndes Selbstbewusstsein und fehlende Ausbildung dazu, dass Frauen die soziale und wirtschaftliche Kontrolle in die Hände männlicher Familienmitglieder abgaben.

In den letzten fünf Jahren kämpfen syrische Frauen nun tagtäglich für das Überleben ihrer Kinder und übernehmen die Verantwortung für ihre Familien. Die in der Studie "Women. War. Work." befragten syrischen Frauen im Exil in Jordanien sind darauf sehr stolz. Und sie sind es zu Recht. Für die humanitäre Hilfe und den Wiederaufbau in Syrien, der hoffentlich eines nicht fernen Tages begonnen werden kann, ergeben sich daraus wichtige Lektionen und Chancen. Organisationen müssen sicherstellen, dass die Stimmen von Frauen gehört werden, ihr Schutz und ihr Zugang zu Hilfe gesichert sind.

Es gilt aber auch, dieses Potenzial der Beteiligung von Frauen zu nutzen und weiter zu fördern. Studien zeigen seit Jahren und in den unterschiedlichsten Weltregionen immer wieder, dass die Stärkung der Autonomie und die Mitbestimmung von Frauen für die ganze Gemeinde zu mehr Gesundheit, Bildung und Entwicklung führen. Frauen müssen Zugang zu Arbeit haben, die vielleicht im traditionellen Sinne nicht als "Frauentätigkeit" gesehen wurde. Männer müssen bestärkt werden darin, ihr Rollenbild weiterzuentwickeln und Frauen als Partnerinnen anzuerkennen.

Syrische Frauen dürfen die Last dieser Krise nicht alleine schultern müssen

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, denn der Krieg in Syrien wütet unvermindert. Die humanitäre Hilfe für syrische Flüchtlinge bleibt dramatisch unterfinanziert, und viele Gebiete in Syrien sind aufgrund der Kämpfe von Hilfe abgeschnitten. Wir dürfen nicht zulassen, dass syrische Frauen die Last dieser Krise alleine schultern müssen, dass Kinder und Jugendliche zu einer verlorenen Generation werden, die in Armut und ohne Chancen aufwächst.

Wir können nicht zusehen, wenn Mütter von Scharfschützen erschossen werden, auf der Suche nach Medikamenten und Lebensmitteln. Wir können nicht zulassen, dass Frauen ihre Kinder zur Arbeit schicken müssen anstatt in die Schule. Wir dürfen nicht wegschauen angesichts der zunehmenden Gewalt in Syrien und eines nicht abreißenden Flüchtlingsstroms. Europa muss seine internationalen Verpflichtungen einhalten.

Es sind die Töchter der Region, die stabile und widerstandsfähige Gemeinschaften aufbauen können. Es sind die Frauen, auf deren starken Rücken ein langfristiger Frieden bauen muss. Wir alle können und müssen mehr tun, damit sie unter dieser Last nicht zerbrechen.

© SZ vom 17.03.2016/kjan

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