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Ausschreitungen in Nordirland:Polizei nimmt in Belfast 70 Randalierer fest

Mit Flaschen und Steinen gegen die Polizei: Am vierten Tag in Folge kommt es in der nordirischen Hauptstadt zu gewalttätigen Ausschreitungen, 70 Menschen werden festgenommen. Im Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten beraten Kirchenvertreter und Politiker - bislang ohne Erfolg.

In der nordirischen Hauptstadt Belfast ist es am Wochenende zu Ausschreitungen gekommen. Polizeistreifen wurden mit Feuerwerkskörpern, Flaschen und Steinen angegriffen, zahlreiche Beamte verletzt, teilten die Behörden in der Nacht auf Montag mit. Bis Sonntag seien bereits 70 Personen festgenommen worden, erklärte die Polizei. Beratungen von Politikern und Kirchenvertretern über ein Ende der Gewalt blieben zunächst ergebnislos. Die Proteste halten bereits die vierte Nacht in Folge an.

Der nordirische Polizeichef Matt Baggott kündigte ein hartes Vorgehen gegen Demonstranten an, die Gewalt anwendeten. "Sie können sicher sein, dass es genügend Ressourcen gibt für den Fall weiter Unruhen", sagte Baggott. Die Polizei stehe bereit, so lange dies notwendig sei. Sie machte pro-britische Extremisten für die Gewalt verantwortlich. Diese hätten die Proteste zu Angriffen gegen die Sicherheitskräfte instrumentalisiert.

Seit dem 3. Dezember 2012 kommt es in der Stadt immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. An diesem Tag hatte der Stadtrat beschlossen, dass der Union Jack, die Flagge des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland, nicht mehr an 365 Tagen im Jahr über dem Rathaus wehen soll, sondern nur noch zu besonderen Anlässen. Für die pro-britischen Protestanten gilt dies als Zugeständnis gegenüber den Katholiken.

In Nordirland bekämpfen sich die beiden Konfessionen bereits seit drei Jahrzehnten. 3500 Menschen kamen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen ums Leben. Erst mit dem Friedensabkommen vom Karfreitag 1998 beruhigte sich das Land. Der Streit um die Flagge bedroht nun diesen zerbrechlichen Frieden.