Auslieferung von Ali B. Seehofer wusste doch Bescheid

Wann erfuhr Horst Seehofer vom Flug des Bundespolizei-Chefs Dieter Romann in den Nordirak?

(Foto: Carsten Koall/dpa)

Der Innenminister war über die Reise des Bundespolizei-Chefs in den Nordirak informiert.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) war entgegen der bisherigen Darstellung durch seine Pressesprecherin Eleonore Petermann doch über die Reise von Bundespolizei-Chef Dieter Romann in den Nordirak informiert. Romann habe den Minister am Samstagnachmittag aus Erbil angerufen und über die bevorstehende Überstellung von Ali B. informiert, teilte das Innenministerium am Dienstag mit. Außerdem habe Romann anschließend auch noch mit dem verantwortlichen Staatssekretär des BMI gesprochen. Am Montag hatte die Sprecherin Seehofers noch gesagt, Romann habe in Eigeninitiative gehandelt, und Seehofer sei nicht informiert gewesen. Bereits am Montagnachmittag hatte die Bundespolizei von sich aus darüber informiert, dass das Innenministerium sehr wohl über die Reise Romanns informiert gewesen sei. Die Sprecherin räumte nun ein, dass sie "insoweit korrigieren" müsse. Dem Iraker Ali B. wird vorgeworfen, die 14-jährige Susanna vergewaltigt und ermordet zu haben. Er hatte sich mit seiner Familie in den Nordirak abgesetzt. Nach der Auslieferung durch kurdische Sicherheitskräfte wurde er am Samstag im Beisein von Bundespolizisten mit dem Flugzeug wieder nach Deutschland gebracht. Dort gestand er, das Mädchen umgebracht zu haben.

Zum Tatzeitpunkt soll Ali B. vermutlich älter gewesen sein, als bislang angegeben. Dies ergebe sich unter Vorbehalt aus Informationen des irakischen Generalkonsulats in Frankfurt am Main, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag in Wiesbaden mit. Demnach sei Ali B. im März 1997 geboren und nicht wie zunächst angenommen im November 1997. Damit wäre der Iraker zum Tatzeitpunkt bereits 21 Jahre alt gewesen. Für Ali B. könnte das bei einem kommenden Gerichtsverfahren bedeuten, dass er nicht mehr nach Jugendstrafrecht verurteilt werden kann. Die getötete Susanna ist am Dienstag in ihrer Heimatstadt Mainz beigesetzt worden. Die Öffentlichkeit war davon ausgeschlossen. Eine Polizeisprecherin schätzte die Zahl der Trauergäste auf dem Jüdischen Friedhof auf etwa hundert Menschen.