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Auschwitz-Überlebende Hollander-Lafon:"Einige meiner Enkel lernen die deutsche Sprache - ich finde das wunderbar"

Auschwitz

Undatiertes Bild von weiblichen Häftlingen des Konzentrationslagers Auschwitz, die zum Arbeitseinsatz ins Reichsgebiet abtransportiert werden.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Mir ist bewusst, dass man sich das Geschehen in Auschwitz heute nur noch schwer vorstellen kann. Doch es ist wirklich passiert, und jetzt kommt das Wichtige: Wenn wir diese Realität leugnen, kann so etwas wieder passieren. Wir müssen wachsam bleiben. Auch heute wütet Fanatismus in der ganzen Welt. Was all diese Konflikte gemeinsam haben, ist das unverhältnismäßige Vertrauen der Fanatiker in die Macht ihrer Überlegenheit.

In Deutschland befasst man sich mehr mit der Aufarbeitung des Holocaust als in anderen Ländern, auch mehr als in Frankreich. Wenn mich junge Leute fragen, ob ich die Deutschen hasse, lautet meine Antwort: Es gibt einen großen Unterschied zwischen den Deutschen und den Nazis. Nicht alle Deutschen waren Nazis, genauso wenig wie alle Franzosen kollaboriert haben."

Im August 1944 machen unter den Häftlingen Gerüchte die Runde, dass die SS sie demnächst ermorden will. Bei einem Appell wechselt sie umbemerkt die Reihe und gerät so in eine Gruppe von Frauen, die in die Nähe von Frankfurt am Main geschafft werden. In den nächsten Monaten wird Magda in verschiedenen KZ-Arbeitskommandos unterschiedliche Schwerarbeit leisten müssen, unter anderem fertigt sie Teile für den Düsenjäger Me 262 an. Im April 1945 wird sie mit Leidensgenossinnen auf einen der berüchtigten "Todesmärsche" geschickt. Magda flüchtet mit einigen anderen Frauen in den Wald und versteckt sich. Einige Tage später sehen sie einen amerikanischen Panzer - der Krieg ist für sie zu Ende.

"Manchmal fragt man mich auch: "Magda, was würdest du tun, wenn du heute einem Alt-Nazi begegnen würdest?" Und ich muss ihnen sagen: Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht, weil ich noch keinem begegnet bin. Doch ich würde mir wünschen, mich respektvoll verhalten zu können.

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Einige meiner Enkelkinder lernen die deutsche Sprache in der Schule. Ich finde das wunderbar. Ich habe mich mit Deutschland versöhnt.

Es ist wichtig, dass Deutschland und Europa Ausländer aufnehmen und willkommen heißen. Deutschland - und Europa - wird an seiner Einstellung Fremden gegenüber gemessen."

Nach dem Krieg lebt Magda zunächst in Belgien, lernt dort Französisch und lässt sich zur Kindererzieherin ausbilden. Sie lässt sich christlich taufen, aber fühlt sich nach wie vor als Jüdin. Wenige Jahre später zieht sie um nach Frankreich. Heute lebt sie in der Bretagne.

"Ich fühle mich in Frankreich sehr sicher. Aber ich gebe zu, dass mir manches irgendwie bekannt vorkommt... wenn Menschen in einem Geschäft getötet werden, nur weil sie Juden sind. Oder Muslime.

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Das Gedenken und die Solidarität können die Menschheit retten. In jedem von uns wohnt das Gute und das Böse. Es ist an uns, Tag für Tag zu entscheiden: Will ich gut sein oder böse? Zu vergeben bedeutet für mich, die eigene Einstellung sich und anderen gegenüber zu überdenken.

Es bleibt nun Ihnen überlassen, gemeinsam echte und ehrliche Verbindungen - frei von Angst - zu knüpfen, die Hoffnung auf Menschlichkeit in unserer heutigen Welt versprechen. Sie selbst sind Wegbereiter ihrer Zukunft - es liegt in Ihrer Verantwortung."

Magda Hollander Lafon ist die einzige Überlebende ihrer Familie. Die Deutschen und ihre ungarischen Helfer deportierten 437.402 jüdische Ungarn in die Konzentrationslager, wie ein SS-Offizier vermerkte. Ein Großteil von ihnen wurden sofort nach ihrer Ankunft in Auschwitz vergast.

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