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Auschwitz-Prozess:430 000 Menschen in 141 Zügen

Bei der sogenannten Ungarn-Aktion im Frühsommer 1944 waren binnen weniger Wochen 141 Züge mit etwa 430 000 Juden aus Ungarn nach Auschwitz gebracht und in den meisten Fällen sofort nach ihrer Ankunft in den Gaskammern ermordet worden.

Gröning, der sich als überzeugter Nationalsozialist freiwillig zur SS gemeldet hatte, um nicht an die Front zu müssen, hatte in Auschwitz im Wesentlichen zwei Aufgaben zu erfüllen. Zum einen hatte er das Geld, das den internierten Gefangenen abgenommen worden war, nach Devisensorten zu sortieren, zu verbuchen und zu verwahren. Das Geld wurde in unregelmäßigen Abständen zusammen mit anderen Wertsachen nach Berlin gebracht und dort entweder beim SS-"Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt" oder bei der Reichsbank abgeliefert und auf einem Konto mit dem Tarnnamen "Max Heiliger" verbucht.

Zum anderen war Gröning, als SS-Unterscharführer uniformiert und mit einer Pistole bewaffnet, in das Geschehen an der "Rampe" involviert. Er musste das Gepäck bewachen, das eintreffende Häftlinge dort zurückließen - und zwar, um die Menschen darüber im Ungewissen zu lassen, dass sie dem Tode geweiht waren. Damit sollte jede Panik vermieden werden, die den Ablauf der Tötungsmaschinerie beeinträchtigt hätte. Laut BGH ist dies als Beihilfe zu werten, weil er "einerseits durch die Bewachung des Gepäcks dazu beitrug, die Arglosigkeit der Angekommenen aufrechtzuerhalten, und andererseits als Teil der Drohkulisse dabei mitwirkte, jeden Gedanken an Widerstand oder Flucht bereits im Keim zu ersticken".

© SZ.de/mane/olkl
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