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Auschwitz-Gedenken:Steinmeier bekräftigt Bekenntnis zum Schutz jüdischen Lebens

  • 75 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz gedenken Staats- und Regierungschefs aus aller Welt in Israel.
  • Frank-Walter Steinmeier hält als erster deutscher Bundespräsident eine Rede an der Gedenkstätte Yad Vashem.

Staats- und Regierungschefs aus fast 50 Ländern erinnern am Donnerstag in Israel an die Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren. Nach Angaben des israelischen Außenministeriums handelt es sich um das größte Staatsereignis seit der Gründung Israels 1948.

Israels Präsident Reuven Rivlin dankte den Staatsgästen aus fast 50 Ländern für die Solidarität mit dem jüdischen Volk. "Antisemitismus hört nicht bei den Juden auf", sagte der 80-Jährige. "Antisemitismus und Rassismus sind bösartige Krankheiten, die Gesellschaften von innen zerstören." Er mahnte an, die Geschehnisse des Holocaust nicht zu vergessen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu würdigte den Kampf der Alliierten und deren Sieg über Nazideutschland. Sie hätten dafür einen immensen Preis zahlen müssen. "Aber gerade heute müssen wir sagen: Für sechs Millionen Juden, darunter 1,5 Millionen Kinder, wurden die Tore zur Hölle zu spät geschlossen." Netanjahu forderte in seiner Rede die Staatengemeinschaft auf, sich geschlossen Iran entgegenzustellen. Das Land unterdrücke sein eigenes Volk und bedrohe die Weltsicherheit. "Israel wird alles tun, was wir müssen, um unseren Staat und unser Volk zu verteidigen", sagte Netanjahu.

Der russische Präsident Wladimir Putin nannte in seiner Ansprache den Holocaust eines der "schrecklichsten Kapitel in der Geschichte der Menschheit". Allen Opfern der Nationalsozialisten werde gedacht, darunter den sechs Millionen in Konzentrationslagern getöteten Juden. Er erklärte, 40 Prozent der jüdischen Holocaust-Opfer seien sowjetische Bürger gewesen - eine Aussage, die von Historikern bestritten wird.

US-Vizepräsident Mike Pence pflichtet Netanjahu in seiner Rede bei: Die Teilnehmer der internationalen Holocaust-Gedenkveranstaltung müssten zusammen gegen die iranische Regierung stehen, "die den Holocaust als Frage der Staatspolitik leugnet und droht, Israel von der Landkarte zu löschen". Pence sprach emotional über die Opfer und Überlebenden des Holocausts: "Heute sind wir hier versammelt, fast 50 Nationen stark zusammen in Jerusalem, sagen wir mit einer Stimme "Nie wieder"."

Frank-Walter Steinmeier hielt als erster deutscher Bundespräsident eine Rede in Yad Vashem zum Holocaust-Gedenktag. Er bekannte sich zur deutschen Schuld am Holocaust. "Dieses Deutschland wird sich selbst nur dann gerecht, wenn es seiner historischen Verantwortung gerecht wird", sagte Steinmeier und versicherte: "Wir bekämpfen den Antisemitismus! Wir trotzen dem Gift des Nationalismus! Wir schützen jüdisches Leben! Wir stehen an der Seite Israels. Dieses Versprechen erneuere ich hier in Yad Vashem vor den Augen der Welt."

Die Veranstaltung steht im Gedenken an die Befreiung des Todeslagers Auschwitz vor 75 Jahren. Aus Deutschland ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier angereist, der als erster deutscher Bundespräsident in Yad Vashem eine Rede halten wird.

© SZ.de/jsa
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