Aus Altersgründen Japans Kaiser signalisiert Wunsch abzudanken

  • In einer Ansprache signalisiert Japans Kaiser Akihito seinen Wunsch abzudanken.
  • "Ich bin besorgt, dass es für mich schwierig wird, meine Aufgaben als Symbol des Staates mit voller Kraft zu erfüllen, wie ich das bis jetzt getan habe", sagte er unter Verweis auf sein Alter und schwere Erkrankungen.
  • Ob eine Abdankung möglich sein wird, liegt allerdings nicht in Akihitos Händen.

Japans Kaiser Akihito erwägt offenbar eine vorzeitige Übergabe des Throns an seinen ältesten Sohn Naruhito. In einer seiner sehr seltenen Fernsehansprachen äußerte er sich besorgt über seine nachlassenden Kräfte. Er sei nun mehr als 80 Jahre alt und habe bereits zwei Operationen hinter sich, sagte Akihito am Montag.

"Ich bin besorgt, dass es für mich schwierig wird, meine Aufgaben als Symbol des Staates mit voller Kraft zu erfüllen, wie ich das bis jetzt getan habe", sagte der 82-Jährige. Manchmal fühle er "verschiedene Einschränkungen", etwa durch seine "körperliche Fitness". Japanische Medien hatten Mitte Juli berichtet, dass Akihito darüber nachdenke, zugunsten seines ältesten Sohnes Naruhito abzudanken.

Der Kaiser erklärte allerdings nicht direkt, abdanken zu wollen. Dies könnte als unzulässige Einmischung in die Politik verstanden werden. Der Verfassung zufolge darf der Kaiser sich nicht zu politischen Fragen äußern. Er gilt als Symbol für den Staat und die Einheit des Landes.

Viele Japaner verfolgen auf öffentlichen Plätzen die Ansprache ihres Kaisers - manche zeigen sich bestürzt.

(Foto: REUTERS)

Die etwa zehn Minuten dauernde TV-Botschaft Akihitos war erst die zweite direkte Ansprache des in der Bevölkerung hoch angesehenen Kaisers an die Nation. Das erste Mal hatte er sich im März 2011 an die Nation gewendet, nachdem ein Tsunami und ein Erdbeben schwere Verwüstungen angerichtet und zur Katastrophe im Atomkraftwerk von Fukushima-1 geführt hatten.

Regierungschef Abe sichert Unterstützung zu

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sagte, er nehme die Äußerungen des Kaisers ernst und werde darauf reagieren. "Angesichts der Pflichten des Kaisers sowie seinem Alter und der Last (seiner Funktion) müssen wir schauen, was wir tun können", sagte der Regierungschef. Die Regierung könnte die Andeutungen des Tenno als Wunsch interpretieren, ihm durch eine Änderung der Gesetze die Abdankung zu ermöglichen.

Eine Abdankung sieht das japanische Thronfolgegesetz derzeit nicht vor, dieses müsste also erst einmal geändert werden. In der kaiserlichen Hierarchie ist vorgesehen, dass Akihitos ältester Sohn, Kronprinz Naruhito, 56, nach ihm Kaiser wird. Akihito, dessen Regentschaft den Namen Heisei ("Frieden schaffen") trägt, ist der erste Tenno, der sein Amt nicht mehr als Gott antrat. Sein 1989 gestorbener Vater, Kaiser Hirohito, hatte nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg der Göttlichkeit des Kaisers entsagt.

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Kaiser Akihito, 82, kämpft mit gesundheitlichen Problemen.   Von Christoph Neidhart