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Aufstieg der Piratenpartei:"Wie bei der Sendung mit der Maus"

Die Analyse der Grünen geht am Montag noch einen Schritt weiter. Im Kampf um Stimmen aus dem bürgerlichen Lager seien zu viele Konturen verlorengegangen, heißt es in den Gremien: Öffnung hin zur CDU und trotzdem kreativ und aufmüpfig sein, das passe schlecht zusammen, sagt auch der junge Grünen-Parteirat Max Löffler. "Wenn man sich auf keinen der beiden Stühle so richtig setzen will, fällt man leicht ins Leere." Die Grünen müssten ihr Profil als moderne linke Partei wieder schärfen. So sehen das nach dieser Wahl viele.

Abgeordnetenhauswahl Berlin - Piraten

Aufstellung zum Klassenfoto: Die Abgeordneten der Piratenpartei sagen von sich, dass sie noch viel zu lernen haben. Das wollen sie angehen "wie bei der Sendung mit der Maus".

(Foto: dpa)

Die Piraten sind fast so etwas wie ein Weckruf. "Sie haben eine junge, neue Anmutung, während wir Grünen inzwischen etabliert sind", befindet Grüne-Jugend-Chefin Gesine Agena. Weswegen sich die Grünen nun fragen müssten, "wie wir trotzdem jung und frisch auftreten können".

Die Piraten selbst hingegen wollen nicht ewig nur mit dem Etikett "jung und frisch" behaftet sein - und in Berlin zeigen, was sie können. Auch mit Blick auf die Bundespolitik: "Wir haben jetzt die Möglichkeit, im Parlament zu demonstrieren, dass wir wirklich Politik machen können und nicht nur darüber reden", sagte der Bundesvorsitzende der Piratenpartei, Sebastian Nerz, im MDR. Er denke, "dass uns das bundesweit viel Vertrauen geben wird." Man sei gut für die künftigen Aufgaben vorbereitet, verfüge über Experten in allen Politikfeldern.

Trotzdem gebe es noch viel zu lernen, beteuern die Piraten in ihrer gewohnt offenen Art immer wieder. Dafür bedienen sie sich natürlich des Internets. In Berlin haben sie einen eigenen Blog eingerichtet. Unter http://www.piratenfraktion-berlin.de/ sollen Bürger die Lernfortschritte der Partei nachvollziehen können.

"Das darf ruhig so ein bisschen sein wie die Sendung mit der Maus", sagt Christopher Lauer, Kandidat im Wahlkreis Pankow. "Zum Beispiel: Wie geht eine kleine Anfrage?" Es gehe für sie darum, mit ihren Wissenslücken offen umzugehen.

"Der Spagat für sie besteht darin, etwas von dem Frechen, Unbekümmerten zu erhalten und gleichzeitig Sachkenntnis und Professionalität zu repräsentieren", sagt auch Parteienforscher Probst.

Offen ist bislang auch, wie sich die Beziehungen zwischen der Großeltern- und der Enkelgeneration auf Dauer darstellen wird. Erfahrungen gibt es dazu derzeit nur aus dem europäischen Parlament, wo für die Piratenpartei der Schwede Christian Engström 2009 einen Sitz ergatterte. So allein wollte er dann doch nicht bleiben: Er schloss sich der Grünen-Fraktion an.

Linktipp: Das Wahlprogramm der Piratenpartei in Berlin finden Sie hier. Das Grundsatzprogramm der Piraten können Sie hier nachlesen.

© SZ vom 20.09.2011/infu

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