"Aufstehen" Ziel: AfD-Wähler abwerben

Die linke Sammlungsbewegung von Politikerin Sahra Wagenknecht will ein weiteres Erstarken der Rechten verhindern. Die Hauptinitiatorin spricht sich zudem gegen ein Zuwanderungsgesetz für ausländische Fachkräfte aus.

Die neue linke Sammlungsbewegung verursacht seit ihrem Start fast jeden Tag neuen Wirbel, die Gründer tun auch einiges dafür. Nach den Worten ihres Mitbegründers Oskar Lafontaine will die Bewegung "Aufstehen" auch das weitere Erstarken der AfD verhindern. "Blicken Sie nach Ostdeutschland: Dort ist die AfD mittlerweile die Partei der Arbeiter und der Arbeitslosen. Da muss man im linken Lager darüber nachdenken, was wir falsch machen", sagte der ehemalige Vorsitzende der Partei Die Linke der Welt am Sonntag. Die AfD würde schwächer, wenn sich im Bundestag wieder die Interessen der Mehrheit durchsetzen könnten. "Die AfD hätte die heutige Stärke nicht, wenn die anderen Parteien die sozialen Interessen beachtet und Renten und soziale Leistungen nicht gekürzt hätten."

In der Flüchtlings- und Migrationspolitik vertritt Lafontaine die Ansicht, die AfD zu schwächen, wenn man den Zuzug von Migranten einschränkt. 1993 war Lafontaine, damals noch in der SPD, mitverantwortlich dafür, dass die Kohl-Regierung im Bundestag die Mehrheit dafür erhielt, das Asylrecht zu ändern. "Damals kamen über eine Million Asylbewerber und Aussiedler zu uns. In verschiedenen Orten brannten Flüchtlingsunterkünfte und Häuser", sagte er dem Blatt. "In dieser Situation haben wir den Asyl-Kompromiss verabschiedet, nach dem Personen, die aus einem europäischen Nachbarland kommen, kein Recht auf Asyl in Deutschland haben." Danach sei die Zustimmung zu den rechtsextremen Republikanern deutlich zurückgegangen. "Es war aber auch Konsens, dass man die Aufnahmestaaten wie Griechenland oder Italien nicht alleinlassen kann und eine gemeinsame europäische Flüchtlingspolitik braucht, die leider bis zum heutigen Tage nicht zustande kam", sagte Lafontaine.

Sahra Wagenknecht, Lafontaines Ehefrau und Hauptinitiatorin von "Aufstehen", sprach sich gegen das geplante Einwanderungsgesetz für Fachkräfte aus. "Deutschland muss seine Fachkräfte selbst ausbilden", sagte Wagenknecht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Hauptgrund des Arbeitskräftemangels sei ein unterfinanziertes Bildungssystem. Sie halte es für zynisch, junge Leute mit einem Numerus clausus vom Studium abzuhalten und "dann die qualifizierten Fachkräfte aus armen Ländern zu holen". Internationalismus bedeute nicht "Abwerbung der Mittelschicht aus armen Ländern, um hier Lohndumping zu betreiben", sagte die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag.